Kirchenbezirk
Wertheim

Wertheim
ist der nördlichste von den 29 Kirchenbezirken in der Badischen
Landeskirche.
Mit seinen 14 Pfarrämtern und den dazu gehörenden Kirchengemeinden mit
Filial- und Diasporaorten zählt der Bezirk ca. 20.000 evangelische
Christen.
Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Der Kirchenbezirk
liegt im nördlichen Main-Tauber-Kreis.
Das Dekanat reicht
von Freudenberg im Norden
ca. 45 km tauberaufwärts bis nach Königshofen im Süden vor die Tore
von Bad Mergentheim.
Martin Luther hatte Verbindung zum Grafen von Wertheim, wie die
frühe schriftliche Bitte des damaligen Grafen um Vermittlung eines
evangelischen Predigers zeigt. Bereits im Jahre 1522 zog der erste
evangelische Prediger in Wertheim auf.
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Fränkische Nachrichten -
09.03.2012
Kirchenbezirk Wertheim:
Veränderungen und geplante Maßnahmen wurden gestern bei einem Pressegespräch
erläutert
Von
unserem Redaktionsmitglied
Bernhard Müller
Wertheim.
„Strukturreform 2020“ vorgestellt
Angesichts des demografischen Wandels und des damit verbundenen Rückgangs
der Gemeindeglieder und der finanziellen Ressourcen hat der evangelische
Bezirkskirchenrat Wertheim eine "Strukturreform 2020" beraten und
ausgearbeitet. Über diese Vorschläge, zu denen nun in den
Kirchengemeinderäten und Ältestenkreisen Anhörungen stattfinden, wurde
gestern in einem Pressegespräch im Stiftshof informiert. Dekan Hayo Büsing,
Dekanatsstellvertreter Pfarrer Gerd
Stühlinger,
Tauberbischofsheim, und Helmut Wießner, Vorsitzender der Bezirkssynode,
Wertheim, gingen dabei auf neun wesentliche Maßnahmen ein, die zum Teil in
naher Zukunft und bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden sollen. Man habe die
Vorschläge in verschiedenen Gremien beraten, um sie so transparent wie
möglich zu gestalten, unterstrich Dekan Büsing (siehe auch weiteren
Bericht). Daraus habe sich ein ganzes Maßnahmebündel entwickelt.
Maßnahmen
So sollen sich kleine, rechtlich selbstständige Kirchengemeinden, die schon
bisher gut zusammenarbeiten unter Wahrung ihres Profils vereinigen. Daraus
ergebe sich weniger Verwaltungsaufwand (nur ein Haushalt), und man trage der
sich ändernden Finanzzuweisung schon jetzt Rechnung. So könnten sich die
Kirchengemeinden Kembach, Dietenhan und Dertingen vereinen wie auch
Bettingen mit Urphar und Lindelbach sowie Niklashausen und Höhefeld mit
Külsheim. Waldenhausen soll sich der Kirchengemeinde Wertheim anschließen.
"Die Trägerverantwortung von evangelischen Kindertagesstätten wird auf der
Ebene des Kirchenbezirks gebündelt", informierte Büsing. Die Trägergemeinden
und die Gemeindepfarrer könnten damit entlastet werden und sich Freiraum für
andere Aufgaben schaffen, wenn die Erfüllung der vielfältigen und sich
ständig ändernden Anforderungen im Managementbereich des Kirchenbezirks
geregelt wird. Das Management fasse zunächst die Kindertagesstätten auf dem
Gebiet der Stadt Wertheim zusammen. Die Verantwortung für die religiöse
Erziehung und gottesdienstliche Einbeziehung der Kindergärten verbleiben
aber bei den Ortsgemeinden.
Ein "ehrgeiziges Ziel" strebe man bei der Krankenhausseelsorge an. Bisher
werde diese Arbeit in Tauberbischofsheim und Wertheim mit zwei halben
Stellen dotiert. Künftig soll die Krankenhausseelsorge nicht mehr aus dem
Gesamtpool der dem Bezirk zustehenden Gemeindepfarrstellen ausgewiesen,
sondern separat über Spenden und Zuwendungen finanziert werden. Hierzu werde
eine Fundraisingstrategie entwickelt. Langfristig sei an die Errichtung
einer eigenen Stiftung gedacht.
Krankenhausseelsorge
Bis dahin werde die Krankenhausseelsorge grundsätzlich von allen Gemeinden
im Einzugsbereich des jeweiligen Krankenhauses ausgeübt und in mehreren
profilierten Bezirksaufträgen gebündelt. In Tauberbischofsheim werde diese
Aufgabe vom Inhaber der Pfarrstelle Wenkheim übernommen. In Wertheim ist das
Gruppenpfarramt Ansprechpartner und koordiniere die Einsätze durch die zwei
Pfarrstelleninhaber in Bettingen und Dertingen. Damit soll einerseits die
gemeindliche Wahrnehmung als wichtige pastorale Aufgabe erhöht werden.
Andererseits werde ein Anreiz geschaffen, die alternative Finanzierung
zielgerichtet anzugehen. Somit könnten die dem Kirchenbezirk regulär zur
Verfügung stehenden Gemeindepfarrer von dieser Sonderaufgabe entlastet
werden, um in der Gemeinde verstärkt zu wirken.
Der Kirchenbezirk Wertheim verfüge über eine große Fläche von Freudenberg
bis nach Königshofen. Bisher war er in drei Regionen untergliedert, künftig
werde er in die Region Nord und Süd eingeteilt (siehe weitere Artikel). Auch
hiermit wolle man Entlastung erreichen, um der Zielvorgabe von nur noch elf
Gemeindepfarrstellen im Jahr 2020 frühzeitig zu begegnen. Derzeit sind im
Kirchenbezirk 12,75 Pfarrstellen vorhanden, die von 14 Personen besetzt
sind. Zudem gibt es einen Diakon, der für den gesamten Bezirk zuständig ist.
In Zukunft werde er zu 75 Prozent im Gruppenamt Lauda/Königshofen tätig und
zu 25 Prozent für die Jugendarbeit in der Region zuständig sein.
"Gänzlich neu und eine reizvolle Aufgabe", so der Dekan, sei die Einrichtung
eines Gruppenpfarramts mit zwei Pfarrstellen in der Kernstadt Wertheim. Mit
diesem Modell biete sich eine direkte Absprache und intensive
Zusammenarbeit. Neu gestaltet sei auch das Gruppenamt in Lauda mit einer
Pfarrstelle und einem Diakon, wie Pfarrer Stühlinger sagte. In der Region
Süd ändere sich zudem, dass Külsheim von der Krankenhauseelsorge abgekoppelt
werde und dafür mit Niklashausen und Höhefeld zusammengehe.
Die neue Struktur führe bei einigen Gemeindepfarrstellen zu
unterschiedlichen Belastungen. Um diese auszugleichen, werden die
Religionsunterrichtsstunden im Kirchenbezirk teilweise anders verteilt, als
es sich bisher aufgrund der Gemeindegröße ergibt. "Wir beginnen hier einen
neuen Weg und lösen uns von den Regelungen der Landeskirche", betonte Helmut
Wießner. Mit den Veränderungen wolle man die unterschiedlichen Belastungen
ausgleichen und ein Stück Gerechtigkeit umsetzen.
Zusammenarbeit
Ein weiteres Ziel sei eine verstärkte Zusammenarbeit der Ortsgemeinden (etwa
bei der Jugendarbeit). Damit könnten Kräfte gebündelt und zugleich Freiräume
für Schwerpunkte geschaffen werden, die allen Beteiligten zugute kommen.
"Die Gesamtkonzeption für die Struktur soll nach und nach umgesetzt werden",
erläuterte Dekan Büsing. Doch gebe es schon heute Handlungsbedarf. So sollen
wegen der vakanten Stelle in Höhefeld/Nikalshausen die Veränderungen in
Külsheim/Niklashausen/Höhefeld einschließlich der Unterstützung der
Predigtdienste aus Bettingen und Wenkheim schon zum 1. September dieses
Jahres greifen. Gleiches gelte für Wenkheim. Wir wollen die Pfarrstellen
solange wie möglich behalten", unterstrich Büsing. Man müsse aber den Plan
schon heute kommunizieren, um sich auf die Veränderungen konstruktiv
einstellen zu können. So werde man bei Stellenausschreibungen auch den
Hinweis auf die Strukturplanung des Kirchenbezirks und mögliche Änderungen
des Aufgabenzuschnitts aufnehmen.
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Fränkische Nachrichten -
09.03.2012
Struktur
2020:
Dekan Hayo Büsing zu den geplanten Veränderungen im Kirchenbezirk: Maßnahmen
transparent vermitteln
Wertheim.
Neue Strukturen im Kirchenbezirk Wertheim: Auch die
Stiftspfarrei ist tangiert.
"Wir müssen aktuell strukturelle Maßnahmen einleiten, um zukunftsfähig zu
werden", erklärte Dekan Hayo Büsing gestern beim Pressegespräch im
Stiftshof, bei dem die "Struktur des Kirchenbezirks Wertheim 2020"
vorgestellt wurde (siehe weiteren Bericht). Es gebe mehrere Gründe für die
geplanten Veränderungen. Wichtig sei aber, "in breiter Form alle Betroffenen
dabei zu Beteiligten zu machen". Man wolle informativ und transparent die
unterschiedlichen Maßnahmen in den Gemeinden vermitteln.
"Der demografische Wandel betrifft uns alle", sagte Büsing. Die Zahlen der
Gemeindeglieder befinden sich "im Sinkflug". Neben dem demografischen Wandel
hänge dies auch mit einer verstärkten Pluralisierung der Gesellschaft
zusammen, in der die
Bindung zu den Kirchen nicht mehr so stabil wie früher sei. Auch die
Taufunterlassungen der Eltern machen sich bei der Mitgliederzahl in der
evangelischen Kirche bemerkbar. In manchen Gemeinden sei der Schwund
signifikant und bewege sich im zweistelligen Bereich. Und diese sinkende
Zahl der Gemeindeglieder habe Auswirkungen, auf die man reagieren müsse.
Bei der letzten Kürzungsrunde 1998/99 habe es einige "Verwerfungen wegen der
kurzfristigen Umsetzung gegeben", so der Dekan. Deshalb habe man nun
gemeinschaftliche und übergreifende Modelle entworfen. Der Schlüssel zum
Erfolg liege in der Zusammenarbeit.
Zu diesem Zweck "haben wir auch einen Blick auf die anderen Landeskirchen
geworfen", erklärte Dekan Büsing. Wesentlich sei, dass man auch unter
veränderten Strukturdaten dem Auftrag nachkommen wolle, das Evangelium zu
verkünden.
Angesichts des voraussichtlichen Rückgangs der Gemeindeglieder und der
Finanzen um zirka 30 Prozent in den kommenden Jahren "stehen wir in der
Verantwortung, die Strukturen in unserem Kirchenbezirk rechtzeitig
anzupassen", unterstrich Dekan Büsing. Strukturen hätten dienende Funktionen
und seien daher grundsätzlich wandelbar.
Zugleich erleichterten sie allen Beteiligten das Zusammenleben und
reduzierten Komplexität. Daher könnten strukturelle Veränderungen zunächst
Irritationen auslösen und nur im engen Kontakt mit den Betroffenen umgesetzt
werden.
Ergänzend zur bislang vorrangigen Zuordnung der Pfarreien sollen durch
funktionale Kombinationen und Kooperationen eine sinnvolle
Aufgabenverteilung und effiziente Aufgabenwahrnehmung, verbunden mit
entsprechenden Entlastungsmöglichkeiten, geschaffen werden.
Damit wolle man den sich verändernden Rahmenbedingungen Rechnung tragen,
heißt es auch in den Vorbemerkungen zur "Struktur des Kirchenbezirks
Wertheim 2020".
Nachdem man die Pläne für diese Struktur zwei Jahre lang intensiv beraten
habe, hoffe er nun, so Dekan Büsing, dass sie auch eine breite Unterstützung
in den Gemeinden erfahren. ber
Pfarrstellenaufteilung:
Der Kirchenbezirk Wertheim soll anstatt wie bisher in drei künftig in
zwei
Regionen Nord und Süd
gegliedert werden. Grundsätzlich hat jeder Pfarrstelleninhaber regelmäßig
zwei Predigtdienste
am Sonntag
wahrzunehmen.
Die Region Nord
mit sieben
Pfarrstellen:
Pfarrstelle Nassig
(1200 Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), Sonderriet (350
Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), Sachsenhausen (450
Gemeindeglieder 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), plus regelmäßiger
Prädikanteneinsatz durch den Kirchenbezirk.
Pfarrstelle Wartberg
Reinhardshof- Vockenrot (2300 Gemeindeglieder, 2 Predigtdienste 1
Kindergarten).
Pfarrstelle Bestenheid
Grünenwört- Freudenberg (1980 Gemeindeglieder, 2 Predigtdienste, 2
Kindergärten).
Pfarrstelle Bettingen
(450 Gemeindeglieder, 0,5 Predigtdienst), Urphar (350 Gemeindeglieder, 0,5
Predigtdienst), Lindelbach (300 Gemeindeglieder, 0,5 Predigtdienst),
zusätzlich 0,5 Predigtdienst in Niklashausen-Höhefeld.
Pfarrstelle Dertingen
(480 Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), /Kembach (280
Gemeindeglieder, 0,5 Predigtdienst, 1 Kindergarten), Dietenhan (180
Gemeindeglieder, 0,5 Predigtdienst).
Gruppenpfarramt mit zwei Pfarrstellen:
Kernstadt Wertheim mit Dekanat
(1000 Gemeindeglieder, 1
Predigtdienst, 1 Kindergarten),
Eichel-Hofgarten (800 Gemeindeglieder,
1,5 Predigtdienst, 1 Kindergarten),
Waldenhausen (480
Gemeindeglieder, 1,5 Predigtdienste,
Koordination Krankenhausseelsorge).
25 Prozent „Seelsorge
im Wohnstift“ Hofgarten sind
zusätzlich im Bereich der Kirchengemeinde
Wertheim besetzbar.
Die Region Süd des evangelischen Kirchenbezirks
gliedert sich künftig in
vier
Pfarrstellen
und
eine
Gemeindediakonenstelle.
Gruppenamt mit 1 Pfarrstelle und 1 Gemeindediakon/in Lauda
(1500 Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), Königshofen (1600
Gemeindeglieder, 2 Predigtdienste), plus Diakon (75 Prozent vor Ort und 25
Prozent in der Region für Jugendarbeit).
Pfarrstelle Tauberbischofsheim
(2700 Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), zusätzlich 0,5
Predigtdienst in Lauda/Königshofen.
Pfarrstelle Külsheim
(750 Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten), Niklashausen (380
Gemeindeglieder, 0,5 Predigtdienst), Höhefeld (340 Gemeindeglieder, 0,5
Predigtdienst, 1 Kindergarten).
Pfarrstelle Wenkheim
(1000 Gemeindeglieder, 1 Predigtdienst, 1 Kindergarten, Krankenhausseelsorge
Tauberbischofsheim), zusätzlich 0,5 Predigtdienst in Niklashausen-Höhefeld.
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