SONDERSEITE - STIFTSKIRCHE WERTHEIM

Förderverein ist auf den Weg gebracht

 Die Finanzierung der Sanierung und Renovierung der Stiftskirche geht ins Geld.
 
Die kirchliche Arbeit an dem Gotteshaus in der Wertheimer Altstadt ideell und finanziell zu  unterstützen, hat sich der Förderverein Stiftskirche zum Ziel gesetzt.
mehr...

 Spendenkonten:

 Stiftspfarrei Wertheim
 Konto 3 011 111 Sparkasse Tauberfranken BLZ: 673 525 65 oder
 Konto 808 709 Volksbank Main-Tauber  BLZ: 673 900 00.

 Förderverein Stiftskirche e V.
 Konto 346 002 200 Dresdner Bank Wertheim BLZ:79080052
 


 

© Fränkische Nachrichten -05.05.2012
Keine alltägliche Restaurierung: Wertheimer Delegation informierte sich über die Arbeiten am Baldachingrab von Fürst Ludwig und dessen Frau Anna
Von unserem Mitarbeiter Robert Weisensee

Wertheim/Haigerloch. „Bettlade“ ist einzigartiges Kunstwerk
"Alles Wertheim. Was Sie hier sehen, das ganze Atelier ist voll davon," meinte Frank Eger, Diplom-Restaurator für Steinobjekte, beim Besuch einer Gruppe Wertheimer in seiner Werkstatt in Haigerloch bei Balingen. Wohlverpackt und genau bezeichnet lagert dort das im Winter in der Wertheimer Stiftskirche abgebaute Baldachingrab für Graf Ludwig III. von Löwenstein-Wertheim und seiner Frau Anna von Stolberg (wir berichteten). Ein Bild von den Restaurierungsarbeiten machten sich am Donnerstag Verantwortliche der Wertheimer Stiftskirchengemeinde, Mitglieder des Fördervereins der Stiftskirche, Stadtführer, der Architekt Michael Bannwarth und interessierte Bürger.
Es sei eine "prominente Restaurierung", die man nicht alle Tage macht, hob Eger die Bedeutung der "Bettlade", wie man das Baldachingrab in Wertheim liebevoll nennt, hervor. "Einzigartig ist das Kunstwerk in Baden-Württemberg und es hängt schon sehr hoch bei der Denkmalbehörde", versicherte der Restaurator, der zwischen Heidelberger Schloss und Ulmer Münster sonst seine Aufträge bekommt.  Schon 2007 habe das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg auf die Notwendigkeit der Renovierung hingewiesen. Fachliche Untersuchungen bestätigten den Verdacht. Der Korrosionsprozess der Halte- und Verbindungseisen habe zu fast irreparablen Schäden geführt, meinte Eger. Er zeigte die Rostproblematik an den sogenannten "Fruchtgehängen" des Baldachins den Besuchern.

Das Baldachingrab des Grafen Ludwig III. zu Löwenstein und der Gräfin Anna von Stolberg wurde 1618 errichtet. Die Alabasterarbeit schuf der damals in Franken berühmte Künstler Michael Kern aus Forchtenberg. Im Freigrab wurde niemand bestattet. Es nimmt sonst einen dominanten Platz in der Mitte des Chorraums der Wertheimer Stiftskirche ein.
Zurzeit wird das Kunstwerk, das vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als herausragend und besonders wertvoll eingeschätzt wird, im Atelier des Diplom-Restaurators Frank Eger in Haigerloch restauriert. Der Experte schätzt die Kosten auf 192
700 Euro, wobei sich diese Summe noch erhöhen kann.
Die Kosten für die Behebung der Schäden an den übrigen Epitaphien im Chorraum der Stiftskirche und die Restaurierung der "Bettlade" werden zusammen auf 230
000 Euro geschätzt. Davon werden an Zuschüssen erwartet: 69440 Euro vom Land Baden-Württemberg, 75000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 57500 Euro vom Bund, 14000 Euro von der Badischen Landeskirche. 14060 Euro bleiben der evangelischen Kirchengemeinde als Eigenanteil. Dieser soll hauptsächlich über Spenden finanziert werden. Die Gesamtkosten der Renovierung der Grabmale und Epitaphien in der Kirche wird auf 450000 Euro geschätzt.
Spenden können auf die Konten der Evangelischen Stiftspfarrei Wertheim eingezahlt werden: Sparkasse Tauberfranken: Konto 30 11 111, Bankleitzahl: 673 525 65, Volksbank Main-Tauber: Konto 80 87 09, Bankleitzahl: 673 900 00. rw

Ursprünglich seien die Alabasterstücke auf einem dicken Metalldraht aufgefädelt und teilweise mit Gips verfüllt worden, erklärte er. Dies führte zur Korrosion des Eisens, da Gips die Feuchtigkeit anziehe mit der Folge, dass sich Teile ablösten oder verfärbten. Vor allem im Sockel habe der Rost ganze Arbeit geleistet und zu Verschiebungen des ganzen Denkmals geführt.
Mit Fachleuten ist Frank Eger noch im Gespräch, wie man dem Problem begegnen solle. Edelstahl oder Titanstahl, das werde noch geprüft, sagte er. Jedenfalls müssen alle alten Eisenteile erst entfernt und durch das beste Material, das es gibt, ersetzt werden. Fehlende Gipsteile werde man entsprechend dem damaligen Material rezeptieren und anbringen. Hier bekommt Eger sogar wissenschaftliche Unterstützung, da dies Material fachlich untersucht wird.
Trockenreinigung
Den interessierten Gästen demonstrierte der Restaurator sein Mikrosandstrahlverfahren zur Reinigung des Alabastersteins: "Es muss Trockenreinigung sein." Mit zwei Geräten werde in der Werkstatt am Denkmal gearbeitet. Der Restaurator dazu: "Wir hatten befürchtet, dass wir die Säulen nicht einheitlich hinbekommen. Doch es geht gut. Man darf dem Denkmal ruhig die Jahre ansehen. Es muss nicht wie geleckt aussehen."  Wenn dieses Verfahren an sein Grenzen stößt, wird Eger ein Lasergerät einsetzen, das er dank seiner guten Beziehungen von der Münsterbauhütte in Ulm ausleihen kann. Denn es sei eine sehr kostspielige Angelegenheit, meinte er. Doch er habe damit bei der Reinigung von Marmorskulpturen gute Erfahrungen damit gemacht. Aber in diesem Falle habe er Respekt vor dem sehr heiklen Werkmaterial Alabaster, bekannte er.
Frank Eger öffnete für die Besucher die wohlverpackten Kisten mit den Einzelteilen des Kunstwerks, das zwischen 1616 bis 1618 von Michael Kern aus Forchtenberg geschaffen wurde. Diesen Künstler lobte er über alle Maßen, denn er sei zu dieser Zeit sehr bedeutend in Franken gewesen. "Die Wertheimer haben sich damals wirklich etwas Großartiges geleistet," kam Eger ins Schwärmen.
Kuriose Funde, säuberlich verpackt und beschriftet, sorgten bei den Besuchern für Heiterkeit. So hatte man beim Abbau des Denkmals Nussschalen, Münzen, einen Knochen, Holzstöcke, ein Stück Ziegel und eine Zeitung von 1887 gefunden. Unter dem Kopf des Grafen Ludwig lag ein fast intaktes Hühnerei, unter der Gräfin Anna ein versiegeltes Briefchen. Man vermutet, dass dies beim Auf- oder Umbau von Handwerkern hineingelegt wurde.
Um künftig Schäden vorzubeugen, will der Restaurator die untere Basis mit einer Bleibahn gegen aufsteigende Feuchtigkeit schützen. Auch überlegt er, die Liegefiguren auf eine Edelstahlplatte zu montieren. Dazu ist er im Gespräch mit anderen Fachleuten und dem zuständigen Amtsrestaurator Otto Wölbert vom Landesamt für Denkmalpflege, der die Maßnahme begleitet und überwacht. Soviel als möglich soll in der Werkstatt hergerichtet und dann wieder schrittweise nach Wertheim transportiert werden.
Auf die Frage von Dekan Hayo Büsing nach dem Zeitplan konnte sich Frank Eger nicht ganz festlegen: "Es ist schwierig kalkulierbar. Alles sind nur Schätzungen", gab der Restaurator zu bedenken. Jedoch will er die Basis, die in der Fachsprache "Tumba" genannt wird, bis Weihnachten aufbauen. Es kann dann ohnehin nur schrittweise vorwärtsgehen, da die einzelnen Schichten immer wieder trocknen müssen. Für Frank Eger ist das Wichtigste, dass die Schäden am Denkmal gestoppt werden und der jetzige Zustand für die Nachwelt erhalten bleibt.
Für einen "hochspannenden Dialog" dankte Dekan Hayo Büsing dem Restaurator, der sich wiederum über das rege Interesse der Wertheimer freute.

 

 

© Fränkische Nachrichten -12.12.2011
Spende: Sanierung der Grabdenkmale in der Stiftskirche bedacht

WERTHEIM. Prassek-Stiftung gibt 5000 Euro dazu
"Wir haben Grund zur Vorfreude und zur Dankbarkeit." Mit diesen Worten leitete Dekan Hayo Büsing am Ende der Adventandacht am Freitag in der Stiftskirche zu einem besonderen Moment über. Er wies auf die laufende Sanierung der Grabdenkmale in dem zentralen Gotteshaus hin, die einen hohen, auch finanziellen, Aufwand erforderten. Deshalb sei man über jede Unterstützung, sei es von öffentlicher oder privater Seite, außerordentlich froh.
Hort der Ökumene
Diese Unterstützung kam, einmal mehr, von der Alfred-Prassek-Stiftung. Mit 5000 Euro beteiligt diese sich an dem Werk. Die Stiftskirche, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Helmut Arnold, "ist, neben der Burg, das bedeutendste Gebäude in Wertheim". Mitten in der Stadt gelegen sei sie ein Ort, an dem sich immer wieder die Menschen versammelten. Sie sei von herausragender spiritueller Bedeutung und "ein Hort der Ökumene". Aber auch die geschichtliche und kulturelle Stellung der Kirche unterstrich Arnold. So zeigten gerade die Grabdenkmale "die lebendige Geschichte der Residenzstadt Wertheim". Und in kultureller Hinsicht müsse man nur an die Aufführung des "Messias" vor wenigen Tagen erinnern.
Verantwortung übernehmen
Alle Bürger Wertheims fühlen sich verantwortlich für die Stiftskirche, die aber auch allen, ob Einheimischen oder Besuchern, offen steht," unterstrich er. Aus all diesen Gründen habe das Kuratorium der Stiftung beschlossen, dass man sich an den nicht geringen Kosten der Sanierung der Grabdenkmale beteilige.
Nur der erste Schritt
Die laufenden Arbeiten seien "leider nur der erste Schritt", dem weitere folgen müssten, informierte Dekan Büsing, zeigte sich aber zuversichtlich, dass man auch diese bewältigen könne. Er nutzte die Gelegenheit, auch dem Förderverein der Stiftskirche und dessen Mitgliedern für ihr Engagement beim Adventsmarkt zu danken, den neuen Informationsprospekt vorzustellen und für die Mitgliedschaft zu werben. ek

 

© Fränkische Nachrichten -13.10.2011
Restaurierung soll nun beginnen: Rost an Verbindungsteilen hat das Alabaster-Grabmal in der Stiftskirche stark beschädigt
Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Marinelli

WERTHEIM. Bettlade" ist wichtiges Kulturdenkmal
Auf den ersten Blick und aus der Ferne sieht es wunderschön aus, das altehrwürdige Baldachingrab von Graf Ludwig III. von Löwenstein-Wertheim und seiner Gemahlin Anna von Stolberg. Mittig im Chor der Wertheimer Stiftskirche platziert, zieht es ebenso wie die es umgebenden Grabmale und Epitaphien ehemaliger Grafen und Fürsten die Blicke auf sich. Doch an diesen wichtigen Zeugnissen „Stein gewordener Geschichte“, wie sie Dekan Hlayo Büsing ehrfürchtig nennt, hat der berühmte - und berüchtigte  Zahn der Zeit in den vergangenen Jahrhunderten kräftig genagt. So sehr sogar, dass die Denkmale mittlerwelle in ihrem Bestand gefährdet sind. Bislang scheiterte die Sanierung an den hohen Kosten. Nachdem der Kirchengemeinde nun aber von verschiedener Seite Zuschüsse für die Maßnahme zugesagt worden sind, kann jetzt mit der Restaurierung des Baldachingrabs, im Volksmund liebevoll „Bettlade" genannt, begonnen werden.
Schon als man sich ab 2007 mit einem Konzept zur Sanierung der Stiftskirche beschäftigt habe, sei die Notwendigkeit einer Renovierung der Grabmale klar gewesen. Auch vom Landesdenkmalamt Baden- Württemberg wurde schon damals auf den Bedarf hingewiesen. Angesichts fehlender Geldmittel habe man sich jedoch zunächst auf die „statische Ertüchtigung" des Gotteshauses samt Dachstuhlsanierung sowie auf die nun „endlich abgeschlossene" Instandsetzung des Kirchturms konzentriert, erklärte der Dekan im Gespräch mit den FN.
Auch wenn die Stiftskirchengemeinde noch immer die Schulden dafür zurückzahlen müsse und die Gemeindekasse alles andere als üppig gefüllt sei, „sind wir steinreich", wie der Dekan mit Blick auf die Denkmale humorvoll feststellte. Denn obwohl die hohen Herren und Damen einst in einer Art Staatsbegräbnis beigesetzt wurden, ist die Stiftspfarrei  juristisch Eigentümerin der fest mit der Kirche verbauten Grabmale.
Erbe erhalten

Die Kosten für deren Sanierung dieser „Kulturdenkmale im Kulturdenkmal Stiftskirche" sind vom Landesdenkmalamt vorerst auf rund 400000 Euro geschätzt worden. Dazu Büsing: »Ich lege die Hand nicht dafür ins Feuer, dass das reicht." Für ihn sei es keine Frage, sich der Verpflichtung, das Erbe der Väter zu erhalten, zu stellen. Gleichzeitig betonte er angesichts der ab 2012 vorgesehenen und nochmals mit rund 380 000 bis 400 000 Euro zu Buche schlagenden Außenrenovierung der Kirche aber auch: „Die Gemeinde ist auf alle mögliche und nötige Unterstützung von allen Selten angewiesen, damit sie die Anforderungen erfüllen kann."

Entsprechend freut sich Hayo Büsing über bereits erfolgte - und über künftige - Spenden sowie vor allem über die Zusage des Landesdenkmalamts, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Bundes (Sanierungsprogramm Denkmalschutz II), den mit 230000 Euro veranschlagten ersten Bauabschnitt mit Zuschüssen von insgesamt 88 Prozent zu fördern (wir berichteten). Das Geld ist für die Renovierung der „Bettlade" und die Schadensbegutachtung der an der Südseite des Chors angebrachten Grabmale bestimmt. An Letzteren bereiten vor allem die angebrachten Schiefertafeln Probleme. Denn diese drohen abzublättern, wodurch die darauf befindlichen Inschriften verloren gehen würden.

Einige Teile sind bereits auch vom Alabastergrab abgeplatzt. So hält beispielsweise der Graf sein Schwert nicht mehr in Händen, einem Engelchen fehlt ein Flügel und an den Girlanden gibt es so manche Lücke. Beim näheren Betrachten der Figuren, aber auch der glatten oder mit in den Stein gemeißelten Muster verzierten Flächen fallen einem immer wieder tief klaffende Risse ins Auge. An einigen Stellen hat man den Eindruck, der Stein würde jeden Moment weggesprengt.
Metallstifte sind das Problem
Auslöser der Schaden sind die Metallstifte, mit denen die einzelnen Teile des Grabs und seiner Figuren miteinander verbunden sind. Das haben sehr aufwändige Gutachten ergeben, bei denen neben dem Zustand des Alabasters auch das ent­haltene Metall untersucht wurde, wie der Dekan erklärte. Der gipshaltige Alabaster sauge die in der Raumluft enthaltene Feuchtigkeit auf, erklärte Büsing und stellte fest: »Wasser und Gips, das tut nicht gut." Das Metall dehne sich beim Rosten aus und entwickle so eine enorme „Sprengkraft, die wiederum die einst zusammengefügten Alabaster-Teile immer weiter auseinander drücke.
Wie stark diese Kräfte sind, zeigt sich auch am Fuß des Grabmals. Dieses steht auf einer korrodierenden Eisenplatte. Die hat den tonnenschweren Koloss mittlerweile an manchen Stellen so stark nach oben gedrückt, dass sich die ganze Lade verzogen hat. Der Dekan: »Die Natur können sie eben nicht außer Kraft setzen.*
Um noch schlimmere Schäden zu verhindern, wird die »Bettlade" nun von Restaurator Frank Eger aus Balingen-Ostdorf Teil für Teil auseinandergebaut. So kann man nicht nur alles reinigen und schadhafte Stellen reparieren. In akribischer Feinarbeit will man die Metallstifte entfernen und durch rostfreie Verbindungen ersetzen. Die Zerlegung ermöglicht es außerdem, sich erstmals den Bereich unter der Platte mit den Fürstenfiguren naher anzusehen.
Da in dem Grabmal niemals jemand bestattet worden ist, geht der Dekan davon aus, dass die Fläche einst einfach ausgemauert wurde. Ob es so ist, wird sich jetzt zeigen. Hayo Büsing findet das Ganze sehr spannend und besten Beweis für „le­bendige Geschichte".

 Das Baldachingrab des Grafen Ludwig und seiner Frau Anna

   Das Baldachingrab für Graf Ludwig III. von Löwenstein- Wertheim und seine Frau Anna von Stolberg wurde von 1616 bis 1618 errichtet.

  Geschaffen hat die Alabasterarbeit Michael Kern aus Forchtenberg. Er hat das Grafenpaar liegend unter einem aufwändig gearbeiteten Baldachinhimmel gestellt. Umgeben wird es von mit Ornamenten geschmückten Säulen. An den Köpfen der Verstorbenen wacht ein Löwe.

  Das Freigrab, in dem jedoch niemand bestattet wurde, steht inmitten des Chors der Wertheimer Stiftskirche. Dieser herausragende Platz sei einerseits ein Zeichen der Selbstdarstellung der Grafen. Andererseits handele es sich aber auch um einen Beleg für deren Frömmigkeit wie Dekan Hayo Büsing erklärte. su

 

 

© Fränkische Nachrichten -29.09.2011
Bücher von unschätzbarem Wert restauriert

WERTHEIM. Interessanter Vortrag: Leiter des Landeskirchlichen Archivs referierte über "Die Stiftsbibliothek zu Wertheim - Restaurierung seit 1990"
Seltene Einblicke in die faszinierende Arbeit der Restaurierung von historischen Büchern gab am Dienstagabend Walter Schuppiser, der Leiter des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe, im Stiftshof. Gut besucht war sein Vortrag über "Die Stiftsbibliothek zu Wertheim - Restaurierung seit 1990." Vor 21 Jahren habe er seine Arbeit dort aufgenommen und inzwischen rund 500 Bücher der historischen Kirchenbibliothek der Stiftskirche fachgerecht in seiner Werkstatt in Karlsruhe restauriert, erklärte der Referent. Weiter betonte er: "Wertheim ist für uns eine wichtige Sache. Solche Zeitdokumente haben wir nicht in unserem Landesarchiv Baden."
Priorität
Es gebe in Baden Württemberg drei historische Bibliotheken, die vom Landesdenkmalamt gefördert werden. Wertheim jedoch habe die vollständigste Bibliothek im Land, begründete Walter Schuppiser die Wertigkeit und Stellung der Stiftskirchenbibliothek, obwohl eine Reihe von Büchern fehlen. 21 Jahre lang habe er in Kleinstarbeit an der Restaurierung der wertvollen Bücher gearbeitet und andere Bewerber haben warten müssen. "Die ganze Landeskirche hat argwöhnisch auf Wertheim geschaut, da diese Einrichtung stets Priorität hatte."
Walter Schuppiser nahm sein interessiertes Publikum mit auf eine Zeitreise und zeigte Bilder der vom Holzwurm zerfressenen Regale und Buchdeckel. Der Zustand der wertvollen Bücher war 1990 oft miserabel. Große Fäulnisschäden und von Mäusen abgenagte Seiten veranschaulichten die Dringlichkeit einer gründlichen fachgerechten Restaurierung zur Erhaltung eines wertvollen Kulturguts des Landes.
Komplizierte Verfahren
An einzelnen Beispielen ging der Experte auf die heutigen, komplizierten Verfahren zur Erhaltung der historischen Bücher ein. Demnach ersetzt man beispielsweise inzwischen alte Holzdübel am Buchdeckel durch Glasfaserstäbchen, Leder wird eigens eingefärbt und fehlendes Papier mit flüssigem Papier ergänzt. Ein alter Einband bleibt und wird nicht abgelöst. Holzwurmlöcher am Buchdeckel behandelt man mit biologischer Flüssigkeit einzeln, was oft 14 Tage in Anspruch nehmen kann. Somit wird der Originaldeckel erhalten. "Die Technik hat sich in den letzten 20 Jahren gewandelt," stellte der Restaurator fest, der im ständigen Austausch mit Kollegen sich fachlich berät und Fortbildungen besucht. "Das Original muss heute erhalten werden." Früher habe man einfach die Dinge mit Neuem ersetzt, begründete der Referent die genauen Vorschriften des Denkmalamts, die sehr wissenschaftlich und anspruchsvoll geworden seien. Es sei aufwändig und zeitraubend geworden und manchmal habe er zwei bis drei Monate an einem Buch gearbeitet.
Kaum noch sichtbar
"Alles was man heute restauriert, sieht man im Gegensatz zu früher nicht mehr. Es wird eingearbeitet, dass es kaum sichtbar ist", betonte der Redner. Auch verlange das Landesdenkmalamt die genaue Protokollierung und das Fotografieren der Bücher. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1380. Eine einzigartige Sammlung von Handschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert und über 100 Bände mit frühen Drucken (Incunabeln - Buchdrucke vor Gutenberg) von unschätzbarem Wert gebe es in der Bibliothek.
Weitere 600 Bände mit Drucken des 16. bis 18. Jahrhunderts verschiedenster Wissensgebiete berge die historische Bibliothek. Wertvollstes Buch im Bestand ist nach Walter Schuppiser "Thomas von Aquin" - eine Handschrift aus der Zeit um 1400. Die berühmte "Wertheimer Bibel" sei wohl sehr gut behütet gewesen. "Da musste man wenig machen," stellte der Referent fest.
Diether Edel vom Förderverein Stiftskirche und Dekan Hayo Büsing dankten dem Referenten für "sein Lebenswerk" und für die große Leistung, die mühevolle Kleinarbeit und das Engagement für Wertheim. "Wir wissen jetzt, was uns anvertraut ist, und wir stellen uns der Verantwortung für unsere Geschichte," schloss Dekan Büsing. rw

 

© Fränkische Nachrichten - 21.09.2011
Einblick in die Kirchenbibliothek

WERTHEIM. Lichtbildervortrag: Walter Schuppiser referiert am 27. September
Walter Schuppiser hält am Dienstag, 27. September, im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Fördervereins Stiftskirche, die um 19 Uhr im Stiftshof stattfindet, einen Vortrag über die Restaurierung des Bibliotheksbestandes der Stiftskirche. Dabei wird er mit Lichtbildern die Einzigartigkeit der hier versammelten Werke dokumentieren und von seinen interessanten Entdeckungen im Verlauf der bislang 21 Jahre andauernden Restaurierungsarbeiten berichten.
Die historische Kirchenbibliothek der Stiftskirche stellt einen ganz besonderen Schatz dar, teilt die Stiftskirchengemeinde Wertheim weiter mit.
Begründet von Conrad Wellin, der seine 63 Bände umfassende Bibliothek 1448 als Grundstock testamentarisch vermacht hatte, befindet sich bis heute eine einzigartige Sammlung von 40 Handschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert, über 100 Bände mit frühen Drucken (Inkunabeln) und zirka 600 Bände mit Drucken des 16. bis 18. Jahrhunderts verschiedenster Wissensgebiete im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Wertheim.
Seit 1990 hat Walter Schuppiser, Restaurator für Papier und Schriftgut und heutiger Leiter des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe, in mühevoller Kleinarbeit pro Jahr etwa zwölf bis 25 Bände fachgerecht restauriert und so für die Nachwelt und die wissenschaftliche Forschung gesichert. Die Restaurierung der historischen Kirchenbibliothek ist somit sein herausragendes Lebenswerk.
Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Alle Interessierten sind willkommen.

 


© Fränkische Nachrichten - 23.08.2010
FN-Sommer: Die beeindruckende Wertheimer Stiftskirche gibt Zeugnis für eine wechselvolle Bau- und Glaubensgeschichte
Geistiger und geistlicher Mittelpunkt
Von unserem Redaktionsmitglied Bernhard Müller

WERTHEIM. Die evangelische Stiftskirche ist der geistige und geistliche Mittelpunkt der Stadt von Wertheim. Seit über sieben Jahrhunderten werden hier auf vielfältige Weise Gottesdienste gefeiert zur Ehre Gottes und zum Segen der Menschen. Eine reiche Bau- und Glaubensgeschichte hat ihre ablesbaren Spuren hinterlassen. Deshalb sollten sich die Besucher einen Platz in der Mitte des Gotteshauses aussuchen, um in aller Ruhe den Kirchenraum auf sich wirken zu lassen. So rät es der Willkommensprospekt, der im Inneren am Eingangsbereich ausliegt, und diesem Ratschlag sollte man in der Tat Folge leisten.
Wertheimer Madonna
Im Zuge der Gründung der Stadt Wertheim wurde im 13. Jahrhundert an dieser Stelle eine spätromanische Marienkirche erbaut, deren Reste deutlich an den beiden dickeren vorderen Pfeilern zu erkennen sind. Von der Ausstattung ist noch die sogenannte Wertheimer Madonna in der Fassade über der oberen nördlichen Eingangstür erhalten.
1383 begann unter Graf Johann I. der ambitionierte Ausbau und die Erweiterung des Vorgängerbaus zur dreischiffigen flach gedeckten Pfeilerbasilika. Mit dem Bau wollten die Grafen auch ihre wirtschaftliche und politische Stärke insbesondere gegenüber den Bistümern Würzburg und Mainz demonstrieren. So ist auch der Grundriss der Stiftskirche dem Würzburger Dom nachempfunden. "Deshalb ist die Kirche gleichsam auch ein politischer Bau", informiert Dekan Hayo Büsing.
1388 folgte der Anbau des Hochchores, der im weiteren Verlauf als Grablege der Wertheimer Grafenfamilien diente und mit bedeutenden Grabdenkmalen ausgestattet wurde. Diese noch erhaltenen wertvollen Epitaphien sind leider alle schadhaft und porös und müssen renoviert werden, wie Büsing erläutert.
Der Chorraum war früher durch einen Lettner vom Kirchenschiff abgetrennt, woran heute noch im Chorbogen das mächtige Triumphkreuz erinnert. Bei der Innenrenovierung in den Jahren 2006/07 wurde die florale Rankenmalerei vom Ende des 19. Jahrhunderts passend zu den Farben der teppichartigen Ornamentfenster rekonstruiert.
50 Meter hoher Kirchturm
Besonders bemerkenswert ist der getrennt vom Kirchenschiff stehende, knapp 50 Meter hohe Turm (Grundsteinlegung 1419) mit einem schönen Geläut und seiner sehenswerten Turmuhr. Auch er sollte Ausdruck der Macht der Wertheimer Grafen sein, informiert der Prospekt.
1481 erhob Papst Sixtus IV. die Pfarr- zur Stiftskirche. Auf die Stiftsherren geht die bis heute am historischen Ort als Anbau erhaltene Kirchenbibliothek (gegründet 1448) zurück. Diese literarische Schatztruhe birgt rund 900 wertvolle historische Bände und sogenannte Kettenbücher aus allen Wissensgebieten. In der Bibliothek wird auch eine von drei verbliebenen Wertheimer Bibeln aufbewahrt, die Johann Georg Nehr 1735 übersetzt hat, aber auf heftigen Widerspruch in der Theologie stieß.
Einen Hinweis auf die nicht ungetrübte frühe jüdische Geschichte in Wertheim stellt ein Pergament mit hebräischen Bibeltexten dar. Es wurde als Einband für ein Buch über Kopfschmerzen aus dem Jahr 1573 verwendet, wie Dekan Büsing betont. Ein Großteil der Bücher in der Bibliothek, die aus konservatorischen Gründen nur in Ausnahmefällen zu besichtigen ist, wurde in den vergangenen 20 Jahren restauriert. Der Rest soll in den nächsten zehn Jahren folgen.
Die Grafen Michael II. und sein mitregierender Sohn Georg II. hatten sich relativ früh der Reformation angeschlossen und führten diese schrittweise ab 1522 in Wertheim ein, wie es in dem Prospekt weiter heißt. Vermutlich 1524/25 wurden deshalb die Seitenaltäre und Heiligenbilder entfernt und die Wandmalereien im Kirchenschiff übertüncht.
Durch den Einbau der spätbarocken Emporen wurden die verborgenen Wandbilder teilweise zerstört, aber zum Teil bei den jüngsten Restaurierungsarbeiten vor allem im nördlichen Seitenschiff wieder freigelegt. Hierbei kam die mutmaßlich älteste erhaltene Stadtansicht von Wertheim wieder zum Vorschein.
Mit dem Übertritt eines Erbgrafen im Jahr 1621 zur römisch-katholischen Konfession diente die Stiftskirche bis zum Bau der katholischen Pfarrkirche St. Venantius als Simultaneum. So feierten die katholischen Gläubigen bis 1842 im Chorraum und evangelischen Christen im Langhaus ihre Gottesdienste. Mit der Mediatisierung 1806 wurde Wertheim badisch, seitdem gehört die Stiftskirche zur Evangelischen Landeskirche in Baden.
Neben der Wertheimer Madonna hat ein wertvolles mittelalterliches Glasfenster mit der Darstellung eines Jakobspilgers (um 1430) den Bildersturm überlebt. Es hat seinen neuen Platz nun im Westfenster der als Andachtsraum gestalteten Heilig-Geist-Kapelle gefunden. Für Dekan Hayo Büsing stellt dieses Fenster ein weiteres "Bindeglied gelebter Ökumene in Wertheim" dar. Denn zur Wiedereinweihung der Stiftskirche nach erfolgter Innerenovierung habe dankenswerterweise die Pfarrgemeinde St. Venantius und die Erzdiözese Freiburg die Kosten für die aufwendige Restaurierung des Jakobus-Fensters übernommen.
FN Fotostrecke: FN Sommer: Die evangelische Stiftskirche in Wertheim

i WISSENSWERTES
Die Stiftskirche befindet sich zentral gelegen in der Wertheimer Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz. Geöffnet ist das Gotteshaus an allen Tagen von 8 bis 18 Uhr. Kirchenführungen sind auf Nachfrage unter Telefon 0 93 42 / 13 67 möglich.
Weitere Informationen sind dem Kirchenführer und dem Sonderdruck zur frühen Wertheimer Kirchengeschichte zu entnehmen. Zur Erhaltung der Stiftskirche sind die Kirchengemeinde, die rund 1200 Mitglieder hat, sowie der Förderverein der Stiftskirche auf breite
Unterstützung angewiesen. Nach der aufwendigen statischen Sicherung des Kirchenschiffs und der gelungenen Innenrenovierung für 1,5 Millionen Euro und der Sanierung des Kirchturms für 350 000 Euro steht die Restaurierung der Grabdenkmale an, dem dann noch die Außenrenovierung des Kirchenschiffes folgen soll.  Hierzu wurde ein Spendenkonto (30 111 11) bei der Sparkasse Tauberfranken (BLZ 673 525 65) eingerichtet.

 

© Fränkische Nachrichten - 31.12.2009
Die Glocken der Stiftskirche: Aus knapp 40 Metern Höhe sind weder Gebimmel noch Gescheppere, sondern volle warme Glockenklänge zu hören
Von unserem Redaktionsmitglied Heike v. Brandenstein

WERTHEIM. "Es geht um die dynamischen Kräfte"
"Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt." So beginnt das berühmte "Lied von der Glocke" von Friedrich Schiller. Es beschreibt Begebenheiten und Geschehnisse, die eine Glocke "erlebt" oder für die sie instrumentalisiert wird: das Glück der ersten Liebe und die Entscheidung zur Bindung. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet: Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang!" Weiter geht es mit Feuersbrünsten, Totenmessen, Aufständen und dem Ruf zum Feiertag.
Auch die Glocken der Wertheimer Stiftskirche könnten viel über die Geschichte der Main-Tauber-Stadt berichten. Die Älteste von insgesamt acht ist jedoch keine Kirchenglocke, sondern gehört zum Turmuhrpaar und schlägt mit einem Steinhammer bis heute den Bewohnern der Kreisstadt, was die Stunde geschlagen hat. Im Deutschen Glockenatlas heißt es, dass die Schulterinschrift in Minuskeln folgendermaßen lautet: "m cccc lviii iar gegozzen ist offenbar die zimel gut mit irem don alle stund verkundet." Zudem weist sie eine rechteckige Platte auf, die eine Kreuzigungsgruppe zeigt (siehe kleines Bild in der Mitte), eine runde Plakette mit einem Kopf und ein Schild mit dem Wertheimer Stadtwappen. Die darüber hängende Viertelstundenglocke stammt aus dem Jahr 1779 und wurde von Johann Georg und Johannes Schneidewind aus Frankfurt gegossen. Beide Glocken gehören zur Uhr und so von alters her dem Magistrat.
Wenn Dekan Hayo Büsing die zum Glockenstuhl führende enge steinerne Wendeltreppe hinaufsteigt, weiß er, was ihn erwartet. Schon oft hat er die Höhe erklommen, die Aussicht vom Turm genossen und sich so manche Gedanken über Turm, Glocken und Kirche gemacht. "Wenn es nach heutiger Statik geht, dürfte die Stiftskirche eigentlich gar nicht mehr stehen", sagt er. "Bei den Glocken geht es um die dynamischen Kräfte."
In der unteren Etage hängen zwei eindrucksvolle Exemplare: Die aus dem Jahr 1926 ist aus Klangstahl gefertigt, wiegt satte 2300 Kilogramm, weist das eingestrichene C als Schlagton auf und gilt als "Sturm- und Totenglocke". Diese größte Glocke gilt normalerweise als "Gloriosa" und ist die tiefste Glocke im Geläut. Die Sturm- und Totenglocke trägt oft den Schriftzug "Vivus voco, mortuaos plango, fulgura frango" (Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich).
Neben ihr hängt die 540 Kilogramm schwere Vaterunser-Glocke, deren Schlagton das eingestrichene A ist. Ein Stockwerk höher ist die frühere Sturm- und Hosiannaglocke als älteste Kirchturmglocke in einem parallel am Joch hängenden Glockenquartett zu sehen. Sie wurde 1495 gegossen und kam 1591 aus dem Kloster Holzkirchen. Die Abendglocke mit dem eingestrichenen Schlagton G wiegt 586 Kilogramm und wurde ebenso wie die Glocke für das Drei-Uhr- und das Michaelisläuten mit dem zweigestrichenen Schlagton C im Jahr 1787 gegossen. Letztere weist ein Gewicht von 248 Kilogramm auf. Beide Glocken stammen von denselben Stiftern: Fürst Carl, Graf Johann Ludwig Vollrath, Graf Friederich Ludwig sowie Graf Fiedrich Carl, alle Fürsten, Grafen und Herren zu Löwenstein-Wertheim, sowie von Chorstiftverwalter Philipp Jacob Platz.
Die letzte Glocke mit dem eingestrichenen D als Schlagton ist auf das Gussjahr 1961 datiert und wiegt als zweitschwerste Glocke 1540 Kilo.
Am heutigen Silvesterabend werden um Mitternacht alle sechs Glocken, beginnend mit der kleinsten, zu hören sein. Im "Lied von der Glocke" heißt es: "Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute."

 

© Fränkische Nachrichten - 02.12.2009
Sanierungsfest: Mit einem fröhlichen Gottesdienst rund um das Thema Zeit feierte die evangelische Kirchengemeinde den Abschluss der Turmrenovierung

 WERTHEIM. Großes Geläut zum Abschluss der Sanierung
"Die ganze Welt braucht Zeit. Zeit ist überall. Gott hat die meiste Zeit. Die Zeit gibt es immer, die wird nie leer" oder "Die Zeit, die kann man nicht sehen. Die Uhr, die zeigt uns, wie spät es ist, weil da ja Nummern drauf sind. Die Stiftskirche hat eine große Uhr, die ist am Turm festgemacht. Die zeigt allen Leuten die Zeit."
Diese und andere Aussprüche der Kindergartenkinder zum Thema "Zeit" brachten am Sonntag die zahlreichen Gottesdienstbesucher in der Stiftskirche zum Schmunzeln. Auch beim Anspiel "Wo die Zeit wohnt" reagierten die Kinder spontan und pfiffig, so dass allgemeine Erheiterung aufkam. Zum Inhalt: Keiner hatte Zeit für den kleinen Anton. Überall erhielt er die gleiche Antwort: "Keine Zeit". Anton entschloss sich, die Zeit zu suchen, entdeckte den Kirchturm mit der großen Uhr und unterhielt sich mit dem Uhrmacher, der sich um die Turmuhr kümmerte. Er solle die Zeit anhalten, bat ihn Anton, "damit auch Erwachsene genügend Zeit für die Kinder haben. Dann können sie mit ihnen spielen, lachen und Geschichten erzählen." Das könne er nicht, sagte der Mann, doch die Menschen müssten lernen, sorgsam mit der Zeit umzugehen, dann kann jeder viel erreichen.
Für die musikalische Untermalung sorgte Kantor Manfred Lutz am Keyboard und die Kinder mit ihren Orff'schen Instrumenten.
Vom modernen Gleichnis, "der wunderbaren Zeitvermehrung," sprach Dekan Hayo Büsing und stellte fest: "Für andere da sein, ist erfüllte Zeit". Die Lieder waren gut auf das Thema abgestimmt und wurden von den Bläsern und der Orgel begleitet. Der Elternbeirat dankte dem Kindergartenteam, dass das Wohl des Kindes immer im Vordergrund stehe.
Nach dieser Einstimmung traf man sich auf dem Kirchplatz, um den Abschluss der gelungenen Sanierung des Kirchturms zu feiern. Dekan Hayo Büsing sprach von der Notwendigkeit der Sanierung, da Teile der Fassade vom Turm nicht mehr stabil waren. Bei Gesamtkosten von rund 350 000 Euro müsse ein Eigenanteil in Höhe von 40 Prozent, also 140 000 Euro aufgebracht werden. Büsing dankte dem Kirchenbaumeister Edwin Bannwarth und seinem Team, den beteiligten Firmen und Handwerkern für ihre gute Arbeit. Auch die Nachbarn lobte er für das Verständnis und die Geduld während der Renovierungszeit. Die Stadt Wertheim habe im Rahmen der Maßnahme die kommunale Turmuhr restauriert und "der Turmsanierung gewissermaßen eine strahlende Krone aufgesetzt."
Edwin Bannwarth zeigte die Baugeschichte auf und stellte fest: "Die umfangreichen Arbeiten haben wir im vorgesehenen Zeitplan erfüllt". Einen großen Tag der Freude nannte OB Stefan Mikulicz diesen ersten Adventsonntag für die Wertheimer. Die Renovierung des Bauwerkes sei abgeschlossen und der Gottesdienst der Kinder, sei für ihn heute Morgen "eine erfüllte Zeit" gewesen. Die Kinder wären bei der "wunderbaren Führung gut aufgehoben und würden in der Einrichtung gut auf die Gesellschaft vorbereitet." Die Stiftskirche sei ein Ort der Glaubensvermittlung und auch ein öffentlicher Raum, ein Treffpunkt aller Generationen und der Mittelpunkt in der Stadt mit dem markanten und jetzt renovierten Kirchturm mit strahlendem Zifferblatt.
Im Namen von Trudel Dosch überreichte Robert Weisensee einen Scheck in Höhe von 1000 Euro, die Hälfte des Preisgeldes für ihren "Werte-Award 2009" (wir berichteten), als Spende für die Renovierungsarbeiten. Die Bläser gaben das Startsignal für den Luftballonwettbewerb, auf den die Kinder schon lange gewartet hatten und unter dem Geläut aller Glocken stiegen die Ballons in den Himmel. Ein von der Bäckerei Frischmuth gestifteter und kunstvoll mit Marzipan verzierter Stiftskirchenturm, den die Bäcker aus Rührteig gebacken hatten, fand dann in kleine Bausteine geschnitten, beim Umtrunk reißenden Absatz beim Publikum. rw

 


© Fränkische Nachrichten - 04.11.2009
Turmuhr der Stiftskirche wieder ganz zu sehen

WERTHEIM. Seit kurzem ist das Ziffernblatt - inklusive der Zeiger - der Turmuhr an der Wertheimer Stiftskirche wieder in ganzer Pracht zu sehen. Da das Gerüst, das den Kirchturm über Monate "umhüllt" hatte, durch den Abbau in den vergangenen Tagen Meter um Meter nach unten schrumpfte, "strahlt" das 465 Jahre alte und in diesem Jahr von Michael Bronold (Gerlachsheim) mit seinem Team in wochenlanger Kleinarbeit komplett restaurierte Ziffernblatt nun wieder wie neu. Es zeigt den Bewohnerinnen und Bewohnern Wertheims und ihren Gästen nun, wie zuvor gewohnt, die Zeit an. uwb / Bild: Uwe Bauer


© Fränkische Nachrichten - 14.10.2009

Das große Ziffernblatt strahlt wieder

WERTHEIM. Am gestrigen Morgen: Nach erfolgreicher Restaurierung kehrte der Zeitanzeiger an seinen gewohnten Platz am Turm der Stiftskirche zurück
Das historische Zifferblatt der Turmuhr an der Wertheimer Stiftskirche erstrahlt nun in neuem Goldglanz. Am gestrigen Morgen fand der Transport des restaurierten Zeitanzeigers von den Werkstatthallen des Städtischen Bauhofs auf dem Reinhardshof zur Stiftskirche und anschließend die Montage am Kirchturm statt.
Schon zeitig waren sie zur Stelle. Thomas Schneider und Klaus Schonhardt von der Montagefirma "Schneider Turmuhr und Glockentechnik" aus Schonach im Schwarzwald. Sie hatten bereits vor sechs Monaten den fachgerechten Abbau des Zifferblatts am Kirchturm vorgenommen. Rund 200 Kilogramm schätzen die Fachleute das Gewicht des Zifferblatts. Da war die tatkräftige Hilfe von Bernhard Weimer und Peter Diehm vom Städtischen Bauhof sowie von Udo Diehm und Michael Schlör von der Firma Metallbau Schwend erforderlich, um das Schmuckstück auf den Transporter der Firma Schwend zu heben. Klaus Haas vom Eigenbetrieb Gebäudemanagement der Stadt Wertheim legte ebenfalls mit Hand an. Denn die Turmuhr der Stiftskirche ist im Besitz der politischen Gemeinde. Er freute sich über die gelungene Restaurierung des historischen Zeitanzeigers. Einige interessierte Passantinnen und Passanten blieben gestern Morgen stehen, um sich einmal aus der Nähe das große Zifferblatt der Turmuhr anzuschauen. Sie staunten über die Handwerkskunst, den Goldglanz und die Größe von 3,30 Meter Durchmesser.
In die Höhe geschwebt
"Wer ist schwindelfrei und fährt mit dem Aufzug hoch?", fragten die Monteure die Helfer, die sich nicht lange bitten ließen. Um das Zifferblatt wieder zu verorten, waren zuvor an der vorgesehenen Stelle Gerüstteile entfernt worden. Mittels eines Elektroseilzugs schwebte das glänzende Zifferblatt dann am Kirchturm entlang langsam nach oben an seinen angestammten Platz, wo es wieder befestigt wurde.
Restaurator Michael Bronold (Gerlachsheim) vervollständigte im Laufe des Tages mit den Uhrzeigern und den Wappen das Zifferblatt, so dass es den Wertheimern nun im neuen Glanz die Zeit anzeigen kann. Im Zuge der Kirchturmsanierung nutzte die Stadt Anfang Mai die Gelegenheit, das Zifferblatt abzumontieren und eine grundlegende Sanierung zu beginnen. Bei der näheren Überprüfung in der Firma Metallbau Schwend in Bestenheid wurden dann erhebliche Rostschäden festgestellt. Das Landesdenkmalamt war gegen ein Auseinanderbauen des Zifferblattes und lehnte das Zusammenfügen mit neuen Nieten aus Gründen des Denkmalschutzes ab.
Handwerkskunst

Nach zahlreichen Beratungen kam das 465 Jahre alte Zifferblatt in die Werkstatthallen des Städtischen Bauhofs auf dem Reinhardshof. Dort war Restaurator Michael Bronold mit seinem Team in wochenlanger Kleinarbeit tätig. Mit alter Handwerkskunst wurde für ein "strahlendes Ergebnis" gesorgt. Das nach Osten zeigende, aufgemalte und noch mit einer Folie geschützte Zifferblatt wurde ebenfalls restauriert. Aus bautechnischen Gründen kann der Uhrzeiger erst angebracht werden, wenn das Gerüst vom Kirchturm entfernt wird. rw

 

© Fränkische Nachrichten - 17.09.2009
In der Stiftskirche: Besucherinnen und Besucher haben im Gästebuch des Gotteshauses die Möglichkeit, schriftliche Spuren zu hinterlassen

WERTHEIM."Hallo Gott, ich war auch hier, dein Tom"
"This is a very beautiful church" schrieben Gäste aus Australien ins Gästebuch der Wertheimer Stiftskirche. Seit einigen Jahren haben die zahlreichen Besucher des Gotteshauses im Herzen der Wertheimer Altstadt die Möglichkeit, ihre schriftlichen Spuren in einem Buch zu hinterlassen. Inzwischen sind fünf Gästebücher mit persönlichen Erfahrungen, mit Wünschen und Anliegen, mit Dank und Komplimenten an die Stadt, an Landschaft und den Kirchenraum gefüllt.
"Schön, dass eine evangelische Kirche geöffnet ist. Gottes Haus sollte man nicht versperren." So drückten Besucher ihre Freude über die Öffnungszeiten der Stiftskirche aus und sind mit dieser Meinung nicht allein. Viele Menschen sind erst einmal vom Kirchenraum fasziniert. "Diese Kirche gefällt mir. Beschütze meinen Hamster Bill und meine Eltern," schrieb die achtjährige Vivienn. Ein anderer Besucher schwärmte: "Beeindruckend schön. Ein Gotteshaus zum Wohlfühlen." Von "einem Schmuckstück" und "einer wunderschönen hellen Kirche mit gelungener Farbwahl" berichteten Urlauber aus dem Saarland. Der zehnjährige Victor dankt, dass diese Kirche renoviert und nicht abgerissen wurde. Besucher aus Schleswig-Holstein schrieben ins Gästebuch: "Ein wahrhaft gottgerechtes Haus. Möge es weitere Jahrhunderte überdauern." Und: "Dieses Gotteshaus strahlt Lust aufs Leben aus", fand eine begeisterte Urlauberin aus Österreich.
Zahlreiche Einträge ins Gästebuch drücken die Freude und den Dank für den Urlaub aus. "An einem sonnigen warmen Tag besuchen wir diese schöne Stadt und die Kirche. Wir waren sehr glücklich", schrieben Gäste aus Graz. Weitere Besucher aus der Schweiz meinten: "Durch einen Zufall haben wir dieses schöne Städtchen und diese schöne Kirche entdeckt." Und Jürgen aus Berlin "genoss dieses wunderschöne Wertheim und die Stiftskirche - ein schönes Fleckchen Erde". Andere danken für die gemeinsame Reise und die glücklichen Urlaubstage in Wertheim und der Region. "Danke für die schöne Zeit in Bettingen und in Wertheim". Die "Moosner Radlfahrer" schrieben ins Gästebuch: "Wir sind dankbar und glücklich, dass wir gesund und unfallfrei hier in Wertheim angekommen sind."
Der persönliche Dank für manche Lebenssituation nimmt in den Gästebüchern einen breiten Raum ein. Man dankt für das gemeinsame Leben, für die Familie, für die Gesundheit, den Erfolg und für Gottes Schutz und Bewahrung. Die kleine Eileen schrieb dazu: "Lieber Gott, danke, dass du auf unsere Familie und auf mich so gut aufpasst und bitte mach' es auch in nächster Zeit, nein, für immer genau so weiter". Überhaupt fragen Kinder sehr direkt: "Lieber Gott, wie geht es dir? Mir geht es gut! Antworte mir bitte, deine Nicola" Oder "Hallo Gott, ich war auch hier, dein Tom".
In den Gästebüchern finden sich auch biblische Gebete wie Psalmen, Lobverse an den Schöpfer und Bibelworte. Es gibt in den Gästebüchern sogar Verliebte, die nicht verheimlichen: "Jenny, ich liebe dich".
Manche Besucher kommen gerade an für sie besonderen Tagen nach Wertheim. "Am heutigen Hochzeitstag (vor 50 Jahren) haben wir das Gotteshaus besucht und sind sehr beeindruckt," schrieben Gäste aus Schwanau. Oder: "Schön, hierher zurück zu kommen. Vor 35 Jahren haben wir hier geheiratet." Und ein Offenbacher Ehepaar hinterließ im Gästebuch: "Am 34. Hochzeitstag haben wird diese schöne Kirche besichtigt. Gott mit uns".
Manche Besucher erinnern sich an die Taufe, an ihre Konfirmation und Trauung in der Stiftskirche. "Ich denke an meine Konfirmation vor 75 Jahren," schrieb eine Besucherin aus Leipzig.
Dem Gästebuch werden aber auch Sorgen und Nöte anvertraut. Viele Fürbitten für liebe Menschen finden sich in den Eintragungen. "Lieber Gott, hilf meinem Enkel Oliver, der bei einem Unfall schwer verletzt wurde", oder: "Wir bitten für Stefan, dass er eine gute Prüfung ablegt", liegt einem anderen Ehepaar am Herzen. Auch schwere Krankheiten und persönliche Schicksalsschläge werden dem Gästebuch anvertraut.
Manche Besucher beziehen in ihre Fürbitten die Katastrophen, den Frieden und die Gerechtigkeit auf der ganzen Erde mit ein. Victoria (zehn Jahre) fasst das auf ihre Weise zusammen: "Gott beschütze die ganze Welt. Egal, ob gläubig oder nicht. Du bist für alle da!"
Aus den Einträgen im Gästebuch spricht auch immer wieder eine gewisse Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit im Lärm der Zeit. Eine Besucherin schrieb: "Es ist schön, diesen Ruheort zu finden. Ein stilles Gebet, für alle, die in diesen Tagen unsere tröstenden Worte und unsere Zuwendung brauchen. Dann zünde ich eine Kerze für sie an." "Ich durfte in dieser schönen Kirche einen Moment verweilen. Ich fühle mich hier geborgen", schrieb ein Gast aus Köln ins Gästebuch.
Manche Gäste loben in ihren Beiträgen auch die Konzerte, die Gottesdienste und die Ausstellungen. Von einer "überaus ansprechenden und gehaltvollen Ausstellung über Philipp Melanchthon" schrieb eine Besucherin aus Bretten. Sie sei eigens zur Besichtigung nach Wertheim gekommen in "diese wunderschöne Kirche".
Gerade an heißen Tagen genießen die Besucher auch die Kühle des Kirchenraumes. So stand erst vor einigen Tagen im Gästebuch: "Kirchen - einzige Rettung bei dem brütend heißen Klima. Wohltat für den Kreislauf. Kühle der atmenden Steine, für die Seele; Ruhe im Innern einer Gotteserfahrung' und erfüllt von wahrer Kunst. Mögen die Kirchen erhalten bleiben." Robert Weisensee

 

© Fränkische Nachrichten - 18.07.2009
Signet "Geöffnete Kirche": Auszeichnung für die Stiftskirche

WERTHEIM. Eine Einladung zu Besinnung und Begegnung
Die Wertheimer Stiftskirche wurde mit dem Signet "Geöffnete Kirche" ausgezeichnet. Im Rahmen der Bezirksvisitation überreichte die Kirchenleitung die Plakette an Dekan Hayo Büsing. Das Signet zeigt dem Besucher an: "Hier sind Gäste willkommen. Diese Kirche lädt zur Besinnung und Begegnung ein."
Ziel dieser gemeinsamen Aktion der Badischen und Württembergischen Landeskirche ist es, die Öffnung von Kirchen für Gäste zu fördern, die geöffneten Kirchen leicht erkennbar zu machen und eine Infrastruktur zu schaffen. Die Voraussetzung der regelmäßigen Öffnungszeiten sind in der Wertheimer Stiftskirche gegeben. Auch liegen Informationen über die Kirche und aus dem Leben der Gemeinde aus - und: Die Kirche hat einen einladenden Charakter. In Wertheim besuchen jährlich viele hundert Touristen und Gäste die Kirche mit und ohne Führung. Kirchenräume erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Menschen kommen unter der Woche mal eben vorbei, vor dem Einkauf, nach der Arbeit oder in der Mittagspause. Sie setzen sich zehn Minuten in die Reihen oder zünden eine Kerze in der Heilig Geist Kapelle an. Manche schreiben ein Gebet oder eine Fürbitte in das Gästebuch. Dieses Gästebuch führt die vielen menschlichen Anliegen genau so vor Augen, wie die Bewunderung für den Sakralbau, und gibt Auskunft über die internationale Herkunft der Besucher.
Sogenannte ehrenamtliche "Kirchenhüter" begrüßen die Gäste, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite und geben gerne Auskunft. Im Leitfaden der beiden Landeskirchen ist die Stiftskirche als ein positives Beispiel der "Geöffneten Kirchen" vorgestellt. Das Signet wird leicht erkennbar an der Außenseite der Stiftskirche angebracht. rw



© Fränkische Nachrichten - 18.07.2009

Stiftskirche: Sanierungsarbeiten am Turm sind in vollem Gange, denn bis Oktober müssen sie abgeschlossen sein

WERTHEIM. Bereich des Glockenstuhls macht Sorgen
Mitte April begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Turm der Wertheimer Stiftskirche. Bis Oktober müssen die Arbeiten abgeschlossen sein, so Architekt Michael Bannwarth. "Das ist eine naturnahe Zeitvorgabe, denn das Material muss ausreichend abtrocknen. Deshalb ist ein gebührender Abstand vor der Frostperiode nötig, sonst kann es zu Schäden führen", erklärt der Architekt im Gespräch mit unserer Zeitung. "Aber wir sind gut im Zeitplan", gibt sich Bannwarth optimistisch.
Die gravierenden Schäden an den Sandsteinteilen gaben den Ausschlag für die Sanierungsarbeiten am Turm. "Sandstein kann durch Feuchtigkeitsschäden abwittern und dann herabfallen. Außerdem waren Schäden an den Putzflächen vorhanden. Einige Putzflächen liegen hohl und haben keine Verbindung mehr mit dem Untergrund oder dem Mauerwerk", beschreibt Bannwarth die Schadenslage. Durch Auftrag von Neuputz oder dem Hinterspritzen der Bauteile mit einer Art Putzkleber, der die Putzfläche mit dem Untergrund verbindet, will man den Schaden beheben, informiert der Architekt über den Stand der Sanierungsarbeiten. "Wir sind gerade dabei, die Putzflächen frei zu legen." Außerdem sind noch Schieferarbeiten zur Abdichtung der Turmspitze zu tätigen und die Holzläden an den Schalllöchern bekommen einen neuen Anstrich.
Seit Mai ist Horst Weber von der Firma Fassaden Sanierung Wertheim GmbH (FSW) mit seinem Team in einer kleinen Bauhütte zu Gange. Passgenau werden die benötigten Sandsteine dort zugeschnitten und bearbeitet. Einen "Schauer" nennt Weber seinen Arbeitsplatz. Also einen offenen Schuppen, eine Kleinausgabe einer Dombauhütte, wie man sie vom Ulmer oder Freiburger Münster her kennt. Viel Erfahrung bringt der Fachmann für diese spezielle Tätigkeit mit, denn er arbeitet in einem deutschlandweit tätigen Unternehmen. Außerdem sind jetzt weitere Firmen an der Baustelle tätig. Große Sorge bereitet Dekan Hayo Büsing der obere Teil des Turmes im Bereich des Glockenstuhles. Dort sind mehrere durchgängige Risse festgestellt worden. Die Vermutung, dass die Risse durch Schwingungen der großen Glocken zu einer Überlastung geführt hätten, wurde vom Glockensachverständigen der Landeskirche in einem Testverfahren nicht bestätigt. Vielmehr hat sich nach näheren Untersuchungen herausgestellt, dass Wasserspuren von der Turmspitze nach innen führen. Im Bereich der Balustrade gibt es undichte Stellen, und die flachen Wasserrinnen dort sind wie die Wasserspeier schnell verstopft, fand der Dekan heraus.
In den 60er Jahren habe man am Turm im Bereich des Glockenstuhles eine Betondecke eingezogen. Dadurch habe sich das Wasser gesammelt, das Mauerwerk durchfeuchtet und das verwendete Eisen kam zum Rosten. "Der Frost tat das seine", fügt Michael Bannwarth dieser Erklärung hinzu. "Wir müssen dies dauerhaft in Griff bekommen", zeigt sich der Dekan entschlossen. Dies geschehe durch Abdichten der Fugen und dem Einsatz einer Blechwanne zum Auffangen des Wassers. "Alles geschieht denkmalschützend", wird von beiden Gesprächspartnern betont. Im Zuge der Sanierung und des Gerüstbaues wurde auch das Ziffernblatt der Uhr, die der Stadt Wertheim gehört und von ihr gewartet wird, ausgebaut. Auch sie soll saniert werden. Hier sei das Schadensbild größer als vermutet, so Bannwarth. Der Architekt will auch den gesetzten Kostenrahmen für die Sanierung des Turmes in Höhe von 350 000 Euro einhalten. "Wir sind im Zeit- und Kostenrahmen." Zur Finanzierung sagt Dekan Hayo Büsing, dass 40 Prozent der Kosten die Landeskirche übernimmt. Mit einem Darlehen werden weitere 20 Prozent finanziert. Die restlichen 40 Prozent, also 140 000 Euro, sind von der Gemeinde als Eigenmittel aufzubringen. Hier lobt Büsing die breite Unterstützung der Wertheimer für dieses Projekt. Allein in diesem Jahr sind durch Spenden verschiedener Anlässe wie Geburtstags- und vielen Einzelspenden nahezu 20 000 Euro zusammen gekommen.
Auch freue man sich über die Bonusaktion "KiBA" der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Unterstützung und die segensreiche Arbeit des Fördervereins Stiftskirche. "Weitere Zuwendungen sind aber dringend nötig, um den markanten und geschichtsträchtigen Turm der Stiftskirche im Herzen von Wertheims Altstadt zu erhalten", appelliert Dekan Hayo Büsing zur weiteren Mithilfe an der Turmsanierung. Robert Weisensee
Spendenkonten: Spenden können auf die Konten der Evangelischen Stiftspfarrei Wertheim gegen Spendenquittung bei der Sparkasse Tauberfranken Kontonummer 3 01 11 11, Bankleitzahl 673 525 65 oder der Volksbank Main-Tauber, Kontonummer 80 87 09, Bankleitzahl 67 39 00 00 eingezahlt werden.

 

© Fränkische Nachrichten - 17.06.2009
Kirchturm war Thema: Vortrag zur 625. Wiederkehr der Neugründung der Stiftskirche

WERTHEIM. Besondere Doppelfunktion
Große Resonanz fand am Montagabend im Modersohnsaal des Grafschaftsmuseums ein Vortrag über den Turm der Stiftskirche, einem städtebaulichen Phänomen in Wertheim. Museumsdirektor Dr. Jörg Paczkowski nahm die zahlreichen Zuhörer mit auf eine stadt- und kirchengeschichtliche Reise. Dabei stellte er durch zahlreiche Vergleiche anderer Türme die Doppelfunktion des Wertheimer Stiftskirchenturmes als Kirchen- und Stadtturm heraus.
Der Historische Verein Wertheim und die Stiftskirchengemeinde hatten aus Anlass der 625. Wiederkehr der Neugründung der Stiftskirche zu diesem besonderen Vortrag eingeladen. Im Zusammenhang mit der Renovierung des Turmes wolle man der geschichtlichen Bedeutung nachspüren und Antworten auf die früheren Funktionen des Turmes bekommen, sagte Dekan Hayo Büsing in seiner Begrüßung.
Bedeutender Standort
Dem Referenten gelang es von Anfang an, sein Publikum auch mit Hilfe historischer Stadtansichten an das städtebauliche Phänomen heranzuführen. Der Standort sei im Spätmittelalter gezielt gewählt worden, so Dr. Paczkowski. Denn er habe damals viel mehr als heute bedeutet: "Im Mittelalter war die Stadt der Schauplatz des menschlichen Schicksals".
Ausführlich ging es um den Aufbau der Geschosse und die Gestaltung des Turmes. Mit viel Bildmaterial von anderen Kirchtürmen der Spätgotik stellte der Referent Vergleiche an und fand erstaunlich viele Parallelen zu Bauwerken in Lohr, Rothenburg, dem Frankfurter Dom oder der Marienkapelle in Würzburg heraus. So sei beispielsweise die Balustrade auf den Türmen erst in dieser Zeit aufgekommen. Auch das Eingangsportal zur Stiftskirche, das die Übergangszeit von der Spätgotik zur Renaissance markiert, reagiere auf die städtebauliche Situation, "wie es unsere Vorfahren sahen".
"Die Wertheimer wussten, was damals los war", sagte der Referent im Bezug auf die vergleichende Bildauswahl vom Wiener Stephansdom oder dem Frankfurter Dom. Das Eingangsportal sei älter als das Chörlein und der Ursprung des Turmes habe mit der Stiftung der Heilig-Geist-Kapelle vom 25. November 1406 zu tun, sagte Dr. Paczkowski. Damals stiftete ein Heinrich von Mömlingen, der Vikar in Wertheim war, die Kapelle auf dem Kirchhof der Pfarrkirche zu Wertheim über dem Gebeinhaus. Als geistlich-weltliche Bruderschaft habe man sich dort getroffen.
Der Museumsdirektor konnte Details und Figuren am Chörlein und am Turm dem Publikum zeigen, die Architekt Michael Bannwarth im Zuge der Renovierung aufnehmen konnte. So diente die Darstellung von Drachen und Fratzen der Abwehr des Bösen. Auch die Wasserspeier am Turm sollten das Unheil abweisen. Es gebe, so der Referent, keine theologische Begründung, dass eine Kirche einen Turm haben muss. Der Turm gehörte jedoch zur Stadtansicht. Die Interpretation zur Funktion des Turmes reiche von der Wachfunktion, dem Repräsentations-, Wehr- und Fluchtcharakter, dem Uhrturm bis hin zum Aussichtspunkt der Stadt. Viele Kirchtürme dienten als Orientierungshilfe und bekamen profane Aufgaben.
Mittelalterliches Städtebild
Paczkowski: "Unser Kirchturm hat eine große Besonderheit. Der Turm ist nicht eingebunden in die Kirche." Grundrisse und historische Ansichten machten deutlich, dass der Wertheimer Stiftskirchenturm markant und isoliert besonders vom Marktplatz her erlebbar ist. Das entspreche dem mittelalterlichen Städtebild, zu dem Rathaus und Kirche gehörten. Diese Lage unterstütze die Vermutung, dass es sich hier auch um einen den Marktplatz überragenden Stadtturm handelte, der auch profanen Zwecken diente. Die mittelalterliche Stadt war von großen Sakralbauten geprägt. Weltliche Herren ließen sich in der Stiftskirche beisetzen. Auch eine Bibliothek befindet sich in dem Gotteshaus. In der 1406 gestifteten Heilig-Geist-Kapelle im Untergeschoss des Turmes traf sich die Bruderschaft für liturgische Handlungen und zum Totengedenken. Dort versammelte sich die geistliche und wirtschaftliche Elite der Stadt. Durch Vergleiche mit Bauwerken aus dieser Zeit stellte Dr. Jörg Paczkowski die These auf, dass es eine Doppelfunktion von Kirchen- und Stadtturm gegeben haben müsse. Man könne den Turm auch als Wartturm sehen.
Viel Beifall gab es für den umfassenden und kurzweiligen Vortrag, der die städtebauliche und bürgerschaftliche Funktion des Turmes der Wertheimer Stiftskirche auf unterhaltsame Weise den Besuchern nahe brachte. rw

© Fränkische Nachrichten - 16.05.2009
Turm der Stiftskirche: Über Sanierungsmaßnahme informiert

WERTHEIM. Risse geben Anlass zur Sorge
"Die Mauerrisse im Kirchturm der Stiftskirche sind nicht zu verharmlosen", stellte Architekt Edwin Bannwarth im Rahmen der Mitgliederversammlung des Fördervereins am Donnerstagabend im Stiftshof fest (siehe weiteren Bericht). Bis Ende Oktober sollen die umfangreichen Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein. Allerdings sei man sehr wetterabhängig, denn einige Arbeitsschritte benötigen trockenes und warmes Wetter.
In der nächsten Woche sei eine wichtige Begehung, die weiteren Aufschluss über das Ausmaß der Schäden zeigen könnte, erklärte Bannwarth. Es werde jetzt die Fassade gereinigt. Dann will man die schadhaften Steine herausnehmen und durch neue Natursteine aus dem Wüstenzeller Sandsteinmaterial ersetzen. Wie es im Pressebericht des Fördervereins weiter heißt, schreiben die Auflagen vom Amt für Denkmalschutz vor, alle historischen Putze am Turm zu erhalten. Trotzdem werde dieser einen neuen Anstrich erhalten, sagte der Fachmann in seinem Vortrag. Nur schwer zugänglich sei der Turmhelm, also die Turmspitze. Bannwarth: "Wir steigen innen hoch, so gut es geht, prüfen die Substanz der Balken und machen davon Aufnahmen." Der Architekt hofft dort keine größeren Schäden vorzufinden, die von Außen nicht sichtbar sind und eventuell durch einen Blitzeinschlag verursacht wurden. Deshalb will er sich hinsichtlich der anfallenden Kosten der Maßnahme nicht festlegen. "Mit Sicherheit kommt noch einiges auf uns zu", meinte Bannwarth.
Dekan Hayo Büsing ging auf die Notwendigkeit der Sanierungsmaßnahme ein und sprach von dem besonderen Schadensbild im Bereich des Glockenstuhls: "Die Risse dort geben Anlass zur Sorge." Er vermutet, dass durch die Veränderung im Glockenstuhl in den 1960er Jahren von einer Holz- in eine Stahlkonstruktion das Mauerwerk seitdem besonders belastet wird. "Hier werden wir mit Fachleuten eigens Prüfungen vornehmen", informierte der Dekan die Versammlung. Auch werde im Zuge der Arbeiten am Turm die Turmuhr von der Stadt Wertheim saniert. Der Förderverein stellte noch die Termine der nächsten Zeit vor. Am Montag, 15. Juni, findet um 19.30 Uhr in der Stiftskirche ein Vortrag von Dr. Jörg Paczkowski über die "Bedeutung des Turmes der Stiftskirche" in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Wertheim statt. Am Mittwoch, 24. Juni, wird um 19 Uhr in einem Gottesdienst der vor 625 Jahren erfolgten Grundsteinlegung der Stiftskirche durch Graf Johann von Wertheim gedacht.

 

© Fränkische Nachrichten - 31.03.2009
Stiftskirche: Sanierungsmaßnahmen am Kirchturm sollen nach Ostern beginnen

WERTHEIM. Markantes Wahrzeichen gilt es zu erhalten
Architekt Michael Bannwarth erläuterte in der Gemeindeversammlung am Sonntag die Sanierungsarbeiten am Kirchturm. Nach der gelungenen Innensanierung steht dieser nun als nächstes Großprojekt auf der Tagesordnung. Dekan Hayo Büsing: "Nicht aus Lust und Vergnügen, sondern aus Verpflichtung ist dieser Schritt nötig." Michael Bannwarth konnte ihm nur zustimmen: "Wir renovieren, weil wir es aus Verantwortung tun müssen, denn es sind Schäden am Sandstein entstanden, die man von unten nicht sofort erkennen kann."
Bannwarth überzeugte die Gemeinde mit ansprechendem Fotomaterial, das bei der Untersuchung des Turmes entstanden ist und erklärte die Beschaffenheit des Sandsteins und Möglichkeiten von Schadensbildung. Unter Assistenz von Versammlungsleiter Diether Edel und Dekan Hayo Büsing verdeutlichte der Architekt die Vorgehensweise an einem Plan.
Nach der Einrüstung werden zunächst Reinigungsarbeiten am Putz des Turmes vorgenommen, um ein Schadensbild festzustellen. Nach dem Trocknen werden erste Putzschichten erneuert und das Mauerwerk verfestigt. Bis Ende Oktober oder Anfang November müsste dies allerdings abgeschlossen sein, denn alle Arbeiten seien frostempfindlich. Die Kosten für die Sanierung beliefen sich inzwischen auf 350 000 Euro, wobei schon allein das Gerüst 55 000 Euro verschlinge.
Die Unterstützung der Landeskirche werde trotz Steuerrückgangs erfolgen, so Büsing. Über die Bonusaktion der Stiftung KiBA der Evangelischen Kirche in Deutschland seien Spenden in Höhe von rund 62 000 Euro eingegangen. Weitere 10 000 Euro kamen vor allem durch Geburtstagsspenden hinzu. Segensreiche Arbeit leiste der Förderverein, der im Spätherbst einen Scheck in Höhe von 20 000 Euro überreichte. Dekan Hayo Büsing sprach von 140 000 Euro oder 40 Prozent, die von der Gemeinde als Eigenmittel aufgebracht werden müssten. Deshalb seien weitere Spenden dringend erforderlich.
Im Bereich des Glockenstuhls gäbe es gewisse Unsicherheiten, so Dekan Hayo Büsing. Dort könnten weitere Schäden zum Vorschein kommen, denn ein früherer Umbau des Glockenstuhls ginge jetzt zu Lasten des Mauerwerkes, lauten die Unsicherheiten. Hier sei die spezifische Untersuchung durch einen Statiker nötig. Büsing führte noch eine Liste von Reperatur- und Instandhaltungsmaßnahmen am Gemeindehaus Stiftshof auf und sprach in diesem Zusammenhang von einer "Gebäudelast," die auf Dauer viel Geld benötigt. rw

 

© Fränkische Nachrichten - 10.02.2009
Ein Kirchturm als „Patient“

WERTHEIM. Die Außenfassade des Turms der Wertheimer Stiftskirche wurde in den vergangenen Tagen von der Firma Aedis aus Hochdorf ringsum auf Schäden untersucht. Der „Befund“, den Aedis-Fachmann Albert Kieferle erstellen wird, dient der Einleitung weiterer Maßnahmen, wie Dekan Hayo Büsing im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten informierte. Auch die genaue Höhe der Kosten für die anstehende Kirchturm-Sanierung wird dann klarer sein. Bislang geht man von rund 250 000 Euro aus, die alleine die Außenrenovierung des Turms verursachen wird. Mit den Arbeiten soll direkt nach Ostern begonnen werden. Dann wird der Turm auch komplett eingerüstet. Bis November soll die Maßnahme beendet sein, sagte Architekt Michael Bannwarth auf FN-Anfrage. uwb / BILD: UWE BAUER

 

© Fränkische Nachrichten - 19.03.2008
Nach der Kirche selbst nun ihr Turm: Sanierung steht bevor

WERTHEIM. Als bonuswürdig ausgewählt
Nach der Sanierung der evangelischen Stiftskirche soll nun deren Turm hergerichtet werden. Um das Vorhaben finanzieren zu können, ruft Wertheims Dekan Hayo Büsing zu Spenden auf.
Im November vergangenen Jahres erhielt Dekan Büsing einen Bescheid der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Kiba) für die Sanierung und Innenrenovierung der Stiftskirche. Darin wurde ein Zuschuss von 20 000 Euro zugesagt. „Das ist die Maximalförderung“, sagt der Dekan. Ohne die hohe Spendenbereitschaft von Gemeindemitgliedern und anderen Freunden der Stiftskirche, wäre dieser Zuschuss nicht möglich gewesen, erklärt Büsing. „Die Kiba hat auf jeden gespendeten Euro 50 Cent draufgelegt.“
Dem Bescheid lag ein neues Antragsformular bei. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Büsing. Denn normalerweise werden Zuschüsse nur in größeren zeitlichen Abständen gewährt. Dennoch füllte der Dekan den Antrag aus und schickte ihn ab. „Wir benötigen nämlich dringend Geld für die Sanierung des Kirchturms.“
Im vergangenen Jahr musste ein über 20 Kilogramm schweres Teil des Maßwerks oberhalb der Turmuhr gesichert werden, berichtet Büsing. Eine Untersuchung habe zudem ergeben, dass Teile der Sandstein- Fassade und des Putzes herabzufallen drohen. „Der Putz hat sich an vielen Stellen abgelöst“, sagt der Dekan. Eine Sanierung würde „vorsichtig“ geschätzt 250 000 Euro kosten. „Genaues kann man erst sagen, wenn das Gerüst steht“, sagt Büsing. Dies werde aber erst aufgebaut, wenn die Finanzierung gesichert ist. Entsprechend ruft der Dekan dazu auf, für den Erhalt und die Sicherung des Turms zu spenden. „Als Wahrzeichen der Wertheimer Altstadt braucht das Bauwerk unsere Unterstützung“, so Büsing. Seinen Angaben nach hat die Stiftung Kiba die Turmsanierung aus über hundert  beantragten Projekten in Deutschland als bonuswürdig ausgewählt. Der Turm der Stiftskirche wurde früher als Wartturm genutzt, um von dort aus die wichtigsten Kreuzungspunkte beobachten zu können. Die Turmuhr wurde zu Orientierung für die Bürger installiert. „Bis heute ist die Kommune für die Wartung und Reparatur der Uhr zuständig“, sagt der Dekan.
Sonderkonto eingerichtet Die Kirchenstiftung hat für die geplante Sanierung ein Sonderkonto eingerichtet. „Für jeden Euro, der bis zum 30. September dieses Jahres darauf gezahlt wird, gibt die Stiftung 50 Cent dazu“, erklärt Hajo Büsing. Seinen Worten nach liegen in der Stiftskirche eigens dafür vorbereitete grüne Faltprospekte und Überweisungsvordrucke mit dem Kennwort Wertheimer Stiftskirche aus.
Dekan Büsing kündigt für den Sommer verschiedene Aktionen an, um den Turm noch stärker in den Blickpunkt der Bürger zu rücken. So soll es etwa ein Turmbläserkonzert und ein Glockenkonzert geben.
riff
Spenden für die Sanierung des Wertheimer Stiftskirchenturms auf das Konto Nummer 3200005550 der Stiftung Kiba in Hannover bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel, Bankleitzahl 52060410. Stichwort: Wertheim, Stiftskirche



© Fränkische Nachrichten - 26.05.2007

Stiftskirche ein Symbol evangelischen Selbstbewusstseins

Wiedereinweihung des Gotteshauses am Donnerstag nach umfangreicher Sanierung und Renovierung geriet zu einem schönen Tag

Wertheim. Lange herbeigesehnt hatte die Stiftskirchengemeinde den Tag der Wiedereinweihung ihres Gotteshauses, der am Donnerstagabend nach mehr als eineinhalb Jahren der Sanierung und Renovierung mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert wurde. In Verbindung mit der traditionellen Gebetswoche für die Einheit der Christen, die in Baden alljährlich mit einem ökumenischen Bischofsgottesdienst des evangelischen Landesbischofs Dr. Ulrich Fischer und des katholischen Erzbischofs Dr. Robert Zollitsch gefeiert wird, kam die ökumenische Zusammenarbeit in mehrfacher Weise zur Geltung.
Viele Gäste aus Kirche und Öffentlichkeit waren eingeladen, und der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Rainer Lange (Kreuzwertheim) und Bezirkskantor Manfred Lutz, der auch den ökumenischen Projektchor dirigierte und Orgel spielte, gestaltete den Festgottesdienst musikalisch mit gehaltvollen, sorgfältig ausgesuchten Chor- und Bläserstücken.
Das fanfarenhafte "Tut mir auf die schöne Pforte" spielten die 40 Bläserinnen und Bläser zur feierlichen Einzugsprozession, an deren Spitze Patronatsherr Fürst Alfred-Ernst zu Löwenstein-Freudenberg und Oberbürgermeister Stefan Mukulicz vor den Geistlichen des Kirchenbezirks, dem Ältestenkreis und den beiden Bischöfen die voll besetzte Stiftskirche betraten, von der Gemeinde stehend flankiert.

Ellen Heibach, Vorsitzende des Ältestenkreises, begrüßte mit einem Vers aus Psalm 118: "Dies ist der Tag, den der Herr macht." Mit Lob und Dank wolle man diesen Tag gemeinsam erleben und mit dem Gottesdienst gleichzeitig ein Zeichen gelebter Ökumene setzen. Das Feiern des Gottesdienstes hob auch Dekan Hayo Büsing hervor, der mit Unterstützung von Kirchenältesten und Pfarrern aus dem Kirchenbezirk Altar, Taufstein und Kanzel zurüstete. Nach Parament, Altardecke, der Bibel und dem Blumenschmuck entzündete Kirchendiener Reinhold Schirmacher die sechs Altarkerzen sorgfältig mit ruhiger Hand. An seinem Geburtstag erlebte Schirmacher diesen ersten festlichen Gottesdienst nach 19 Monaten wieder in "seiner" Kirche auf ganz besondere Weise.
Mit der Erläuterung, dass die Christen durch die Taufe verbunden seien, überreichte Pfarrer Banschbach von der katholischen Kirche die Osterkerze. Mit dem Chorsatz "Locus iste" von Anton Bruckner bestätigte und vertiefte der aus etwa hundert Sängerinnen und Sängern bestehende ökumenische Projektchor (Leitung: Manfred Lutz) das zuvor Gesagte mit eindrucksvollem feierlichen Klang.

Landesbischof Dr. Ulrich Fischer setzte nach Votum, Psalm und Lesung ein weiteres vom Chor begonnenes musikalisches Gebet, "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses" von Max Reger, mit der Bitte um die Sendung des Heiligen Geistes fort. In der Wertheimer Stiftskirche als Symbol evangelischen Selbstbewusstseins, so der Bischof, sei ein solcher gemeinsamer Festgottesdienst ein ganz besonderes Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Die Wiederentdeckung des Kirchenraums habe man von den katholischen Mitchristen gelernt, nachdem man früher eher Mühe gehabt habe mit dem Gedanken, dass es heilige Orte gebe. Ohne äußere Zeichen könne aber auch der evangelische Glaube nicht gedeihen. Der Kirchenraum sei ein ganz besonderer Ort, der mit den früheren Generationen verbinde. Die Kirchentüren sollten immer offen stehen, denn der Verantwortung der Welt gegenüber dürfe man sich als Kirche nicht entziehen. Der Bischof wünschte, dass viele Menschen in der Stiftskirche offene Türen, offene Ohren und offene Herzen finden mögen.
Der Lobgesang Gottes fand in dem Gemeindelied "Großer Gott, wir loben dich" durch Bläser, Orgel und Glockengeläut kraftvollen Ausdruck. Auch das Lied nach dem Glaubensbekenntnis "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" wurde im Wechsel mit der Orgel vom Bezirksposaunenchor und der Gemeinde mit großer Überzeugung zum Klingen gebracht. Der Bläserklang wirkte, möglicherweise durch die jetzt glatter gewordenen Wände, durch den nun deutlich längeren Nachhall besonders klar, kraftvoll und festlich.
Von der Kanzel hielt jetzt der katholische Erzbischof Dr. Robert Zollitsch die Predigt zur Gebetswoche für die Einheit der Christen über das Thema "Heimat". Am Ende des Zweiten Weltkrieges hätten viele Menschen ihre Heimat verloren. Viele Überlebende von Krieg und Deportation hätten sich später gefragt, was sie in der schweren Zeit getragen habe. Es sei nicht nur der Überlebenswille gewesen, sondern der christliche Glaube, der Halt und Kraft gegeben habe. Wirkliche Heimat gebe es letztlich nur bei Gott und wer seine Heimat hier finde, der könne sie auch in schwierigsten Lebenssituationen nicht verlieren. Eine großartige Kirche allein genüge nicht, sondern wichtig seien Personen, die als "lebendige Steine" einer Kirche von der Freude des Glaubens berichten. Dadurch tiefes Vertrauen und Gelassenheit zu erreichen sei Herausforderung und lohnende Aufgabe zugleich.
Das ökumenische Gemeindelied "Strahlen brechen viele aus einem Licht" erklang in einem von Manfred Lutz für die Bläser geschriebenen Satz, nach Fürbitten und Vaterunser sang der Chor "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" von Josef Rheinberger. Nach dem Lied "Komm, Herr, segne uns" und dem Segen der beiden Bischöfe beschlossen Bläser und Orgel den Gottesdienst mit der doppelchörigen Choralbearbeitung "Nun danket alle Gott" von Johann Sebastian Bach, gefolgt von einer Strophe des vierstimmigen Chorals mit der von Frank Wolz klangvoll gespielten Trompetenoberstimme.

Im Anschluss an den Gottesdienst sprach zuerst Oberbürgermeister Stefan Mikulicz Gruß- und Dankesworte. Es sei ein Tag, "den wir alle nie vergessen werden". Die Stiftskirche sei "der geistliche Mittelpunkt unserer Stadt". Patronatsherr Fürst Alfred Ernst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, der auch für die katholische Linie des Fürstenhauses, zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, sprach, bezeichnete den Kirchenraum als sehr gelungen, auch wenn man sich an manche Veränderung erst noch gewöhnen müsse. Die Ökumene lobte er ebenfalls, wenn man auch nicht ganz eins werden müsse. Schmunzelnd fügte er hinzu: "Konkurrenz belebt das Geschehen."
Architekt Michael Bannwarth gab abschließend noch einmal einen ausführlichen Überblick über das gesamte Projekt und lobte die flexible und engagierte Arbeitsweise aller beteiligten Firmen, die selbst den Lebensrhythmus der Fledermäuse bei ihren Arbeiten optimal berücksichtigt hätten. Ein bedeutendes Werk mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro sei nun vollendet.
Der Vorsitzende des Fördervereins der Stiftskirche mit inzwischen über 160 Mitgliedern, Hans-Otto Dewes, berichtete über die Aktivitäten des Vereins und lud zu weiterem Engagement ein.
Dekan Hayo Büsing dankte abschließend den vielen Mitwirkenden des Gottesdienstes. An die beiden Bischöfe überreichte er ein echtes Stück der Stiftskirche, nämlich jeweils einen Teil eines Bohrkerns mitten aus dem Mauerwerk. Die Handwerker, die von den Gottesdienstbesuchern mit besonderem Applaus bedacht wurden, wolle man am 6. Juli zu einem Fest einladen.
Für ganz besonderen ehrenamtlichen Einsatz dankte Dekan Büsing dem "Motor der Sanierung", Hermann Förstel, dessen beispiellose Energie und Ausdauer verdiene Hochachtung und Dank, und lud ihn zu einem Überraschungswochenende nach Dresden ein. Büsing würdigte auch die Presse für die "tolle Zusammenarbeit" in der Berichterstattung.
Die Gottesdienstbesucher, Festgäste, Prediger und Musiker trafen sich nach einer weiteren doppelchörigen Festmusik von Henry Purcell auf dem Platz zwischen Kirche und Stiftshof, wo man bei Häppchen und Getränken bis in den Abend hinein im Gespräch verbunden blieb. Rl


Grußwort des Fördervereins zur Wiedereinweihung der Stiftskirche in Wertheim
am 24. Mai 2007

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren,
geehrte Damen und Herren Repr
äsentanten der Kirchen, des öffentlichen Lebens und der Gesellschaft.
In der die Beschreibung des Abendlaufs nach dem Gottesdienst steht unter Grußworte u.a.:
Meine Name, F
örderverein namens aller Förderer und Spender. Ich stutzte und fragte mich: haben wir nicht durch Scheine oder einen Scheck unser Grußwort bereits gesprochen?

Ernster: Ich glaube namens aller F
örderer und Spender zu sprechen, wenn ich sage:
1.  f
ür freuen uns darüber, wie schön die Neugestaltung des Kirchenschiffs gelungen ist,
2.  wir hoffen, dass die Sanierung des Mauerwerks und des Dachstuhls dauerhaft sei,
3.  wir konnten zur Finanzierung der Ma
ßnahmen -Zitat: mit unsrer Arbeit Müh und Fleiß" beitragen und würden gerne auch am Stolz über das gelungene Werk mittragen.
Der F
örderverein Stiftskirche wurde im April 2006 von 34 Personen gegründet. Die Mitgliedschaft ist an keine Religion oder den Wohnsitz gebunden.
Auf unserem Konto sind z.Z. 30500 , die Sie, Herr Dekan Büsing abrufen können.
Mit den j
ährlichen Beiträgen der über 160 Mitglieder könnten die Zinsen und die Tilgung eines Kredites über 70 000 übernommen werden. Ohne die Spenden, die über die Klba geleitet wurden, können wir also mit etwas über 100 000 zur Finanzierung beitragen.
W
ährend der verschiedenen Öffnungen der Kirche während der Bauzeit konnten wir das große Interesse der vielen Besucher an den Baumaßnahmen und der Stiftskirche an sich spüren. Der Förderverein hat sich deshalb entschlossen, Untersuchungen über die Kirchengeschichte und das Bauwerk Stiftskirche zu fördern und zu verbreiten.
Den Anfang machen wir mit dem Druck eines Vortrages von Dr. Peter R
ückert aus Wertheim-Urphar, den er am 18. April dieses Jahres im Rahmen der Wertheimer Abende gehalten hat und in dem er die Entdeckungen während der Renovierungsarbeiten auswertet. Von der Burgkapelle zur Stiftskirche Anfänge der Wertheimer Kirchengeschichte. Dieses Heftchen ist eine Gabe des Fördervereins zur Wiedereinweihung der Kirche an die Stiftskirchengemeinde und alle Besucher dieses Gottesdienstes.

Ich möchte Ihnen, Herr Dekan Büsing, ein großformatiges Exemplar übergeben.
Sie, meine Damen und Herren, werden sich nun fragen: Und wo ist mein
Heftchen? Ich muß gestehen: wir haben es noch nicht! Die Zeit zwischen dem Vortrag und heute war einfach zu kurz. Trotz aller Bemühungen - insbesondere von Herrn Dr. Rückert - sind wir nur bis zum Probedruck gekommen. Der Druck der Büchlein wird in etwa 10 Tagen fertig sein. Probedrucke können sie an unserem Stand im Stiftshof anschauen. Schreiben Sie Ihre Adresse auf einen dort ausliegenden Umschlag und wir senden Ihnen das Heft zu.
Ein F
örderverein möchte fördern. Dazu sammelt er Geld. Deshalb steht neben den Briefumschlägen ein Sparkirchlein. Dort darf jeder, der es sich leisten kann und es tun will, einen Beitrag zur Deckung der Druckkosten einwerfen. Die größte Münze oder der kleinste Schein können als Richtwert dienen.
Daneben liegen Antragsformulare zum Eintritt in den F
örderverein auf. Werden wir zum Jahresende 200 Mitglieder haben?
Ich m
öchte schließen mit der Vervollständigung des Zitates von vorher. Es ist - die meisten haben sicher bemerkt - der 4. Vers des Morgenliedes: Die Helle Sonn leucht jetzt herfür". Er passt als Motto unseres Fördervereins.
Ein Morgenlied am Abend? Nun, die Wiedereinweihung ist gewisserma
ßen auch ein Morgen.
„La
ß unser Werk geraten wohl, was ein jeder ausrichten soll, dass unsre Arbeit Müh und Fleiß gereich zu deim Lob, Ehr und Preis“.
Hans-Otto Dewes, am 24. Mai 2007

 

© Fränkische Nachrichten - 16.03.2007
Nach 50 Jahren auferstanden
 

Das Jesuskreuz hängt wieder im Chorraum der Stiftskirche
Wertheim. Rund 50 Jahre lang hat es auf die Wiederauferstehung warten müssen. Seit gestern hängt das Jesuskreuz wieder über dem Altar der Wertheimer Stiftskirche. "Die Auferstehungsbotschaft zeigt sich hier einmal von einer ganz anderen Seite", sagt Dekan Hayo Büsing, der "ganz ergriffen" war, als er das Kreuz endlich wieder im Chorraum hängen sah.
Mitte der 1950er hatte man es bei den letzten Restaurierungsarbeiten in der Stiftskirche abgehängt und hinter dem Altar aufgestellt. "An dem Platz vor den Epitaphien hätte man es ja schon fast für ein Grabkreuz halten können", so Büsing weiter. Zusammen mit den floralen Elementen der Deckenbemalung und den Buntglasfenstern, die in der kommenden Woche eingebaut werden sollen, ergebe der Chorraum ein in sich geschlossenes, theologisches Programm, in dem auch die Proportionen wieder passen.
"Warum das Kreuz damals nicht mehr an seinen alten Platz zurückgebracht wurde, kann heute niemand mehr sagen", erklärt Hans-Dieter Zopf, begleitender Restaurator des Gesamtprojekts der Renovierung des Gotteshauses. Auf älteren Fotografien war allerdings zu sehen, dass es an dem zentralen Platz über dem Altarraum hing, an den es am Donnerstagvormittag mit Hilfe eines Flaschenzugs wieder angebracht wurde.
Voraus gegangen waren aufwändige Arbeiten an dem Kruzifix, das wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Behutsam wurde der Korpus gereinigt, die Inkarnatfassung sensibel gepflegt und kleinere Retuschen vorgenommen. "Das Holz des Kreuzes war im Lauf der Jahre so ausgebleicht, dass es sich farblich kaum von der Christusfigur abgehoben hat", sagt Zopf.
Einem Zufall ist es zu verdanken, dass die goldenen Kreuzzierden an den Flanken wieder angebracht werden konnten: Sie wurden auf dem Speicher der Stiftskirche gefunden.
Im Jahr 1883 war das Kreuz schon einmal bearbeitet worden. Hinter dem Schild über dem Haupt Jesu, auf dem wie bei jedem Kruzifix die Buchstaben "INRI" (Jesus Nazarenus Rex Iudaeorum, deutsch: Jesus von Nazareth, König der Juden) geschrieben stehen, fand man Bleistiftaufzeichnungen des damaligen Restaurators, der genau fest gehalten hatte, welche Arbeiten vollbracht worden waren.
An der Unterseite des Kreuzes finden sich zwei Einkerbungen. Spuren, die noch von der ehemaligen Befestigung hinter dem Altar herrühren. "Die wurden so belassen, weil es ja auch mit zur Geschichte des Kreuzes gehört, das jahrzehntelang ein einsames Dasein im Hintergrund fristen musste", sagt der Restaurator. Timo Lechner

 

© Fränkische Nachrichten - 06.07.2006
Farbfunde machen Gesamtkonzept nötig

Eröffnung der Stiftskirche verzögert sich / Aufgemaltes Rankwerk schmückte einst den Chor

Wertheim. Noch etwas Geduld haben muss die evangelische Kirchengemeinde Wertheim, bis die Stiftskirche wieder eröffnet wird. Denn der ursprüngliche Zeitplan, das seit einigen Monaten für Sanierungsarbeiten geschlossene Gotteshaus Ende Juni wieder nutzen zu können, war nicht zu halten. Zwar hätten die statische Sicherung und die Dachsanierung wunderbar geklappt, wie Dekan Hayo Büsing und Michael Bannwarth vom Planungsbüro Bannwarth und Ludwig gestern Vormittag bei einem Pressegespräch im Pfarrhaus erklärten. Noch nicht klar sei jedoch, wie die Stiftskirche künftig im Innenraum aussehen soll.
Im Laufe der Arbeiten sei angesichts zahlreich entdeckter Farbreste an den Wänden und Decken deutlich geworden, dass die Renovierung von Mittel- und Seitenschiffen nicht wie vorgesehen in zwei zeitlich getrennte Bauabschnitte aufgeteilt werden kann. Nun habe das Kirchenbauamt zugesichert, dass der zweite, die Seitenschiffe betreffende Bauabschnitt vorgezogen und somit alles ganzheitlich gestaltet werden kann. Darüber sei man sehr erfreut, betonte Büsing, auch wenn man traurig über die verlängerte Schließung der Kirche sei. Doch "wir brauchen ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Gestaltung".
"Wir sind davon ausgegangen, da ist nichts", stellte Bannwarth die Situation vor Beginn der Sanierung dar. Somit sei mit den Verantwortlichen der Landeskirche festgelegt worden, dass zunächst im ersten Bauabschnitt das Mittelschiff neu gestaltet wird, so Büsing weiter. Die Seitenschiffe wären in einem zweiten Abschnitt an der Reihe gewesen, wenn die Finanzierung gesichert gewesen wäre.
Dass sich unter dem Putz aber sehr wohl noch etwas befand, sahen die Restauratoren, als sie die Wände und Decken von den Gerüsten aus einmal aus nächster Nähe betrachten konnten. Entdeckt wurden viele "tolle spannende restauratorische Befunde", welche die gesamte Farbpalette und florale Elemente umfassen, wie der Dekan schwärmte. Dazu zählt auch das aus dem 19. Jahrhundert stammende Rankenwerk, mit dem der Chorraum ausgemalt war. Man habe Farben unter anderem aus dem 16. Jahrhundert sowie im Mittelschiff Rankenwerk aus der Zeit vor 1800 nachgewiesen, ergänzte Bannwarth. Alles wurde jedoch überputzt, als 1957 im Rahmen der Großsanierung die Kirche im Inneren rigoros umgestaltet wurde.
"Die Ästhetik eines Raums war damals kein Thema." Dies habe auch dem theologischen Verständnis entsprochen, erzählte Büsing. Das "gotische Gehäuse" sei stehen geblieben. "Doch die Ausgestaltung, die den Raum und Charakter der Kirche geprägt hat" sei ausgebaut worden. Manches, wie etwa alte Grabplatten, seien gezielt zerstört worden. Die einst dick übermalten Brüstungen habe man abgelaugt, so dass heute das nackte Holz zu sehen sei. Viele der vorgenommenen Veränderungen haben dem Geschmack der damaligen Zeit entsprochen, waren sich der Dekan und Bannwarth einig. Alle Generationen hätten ihre Spuren an dem Gotteshaus hinterlassen.
"Wir wollen uns aber nicht über die damals Verantwortlichen erheben", betonten beide. Die Frage sei, ob man nun das, was aus der Geschichte dokumentiert ist, als Leitgedanke bei der anstehenden Ausgestaltung verwenden soll. Schön hätten es der Dekan und der Architekt gefunden, wenn die Seitenschiffe bereits zu Beginn in den Planungen enthalten gewesen wären und man somit gleich ein Gesamtkonzept hätte entwickeln können.
Nun müsse grundsätzlich festgelegt werden, ob die Kirche wieder den Befunden entsprechend hergestellt werden soll. Dass dies auch eine Kostenfrage sei, war für Büsing und Bannwarth klar. Doch habe man jetzt die Chance, den Kirchenraum wieder so zu gestalten, wie er einmal gedacht war. Als raumprägend hoben der Dekan und der Architekt das "sehr reizvolle" Zusammenspiel der Glasfenster mit dem Chor hervor. Einiges spreche dafür, die Ausmalung vom 19. Jahrhundert wieder anzubringen, die sich gut mit dem gotischen Stil des Gebäudes kombinieren lasse. Gleichzeitig müsse man sehen, was diesem Raum mit seinen liturgischen Anforderungen angemessen ist.
Gegenwärtig befinde man sich mitten in einem Diskussionsprozess darüber, wie die Stiftskirche, die auch ein bedeutendes Baudenkmal sei, künftig innen aussehen wird. Dabei wolle man sich aber nicht nur mit dem Kirchenbau- und dem Landesdenkmalamt beraten. Auch die Meinung der Gemeindemitglieder sei gefragt. Die Entscheidung werde am Ende vom Gesamtkirchengemeinderat getroffen. Bis dahin sollen die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt voran gehen. Im Moment ist man dabei, die Elektrik zu installieren.
Nur eine unverbindliche Aussage konnte Büsing hinsichtlich des Zeitpunktes für die Wiedereröffnung der Kirche treffen. Er meinte, "es wäre schön, wenn wir es bis Weihnachten schaffen". Vorerst auch nur geschätzt werden kann, mit welcher Summe das Ganze am Ende zu Buche schlagen wird. Die Experten gehen von insgesamt 1,5 Millionen Euro aus. Bislang ist ein Kostenrahmen von 660 000 Euro genehmigt. Auch wenn man Zuschüsse beim Landesdenkmalamt beantrage, bleibe der Löwenanteil an der Landeskirche (20 Prozent) und an der Kirchengemeinde hängen. Letztere erhalte für 40 Prozent der Summe ein günstiges Darlehen von der Landeskirche, 40 Prozent der Kosten müsse sie selbst aufbringen. Deshalb hoffe man auch in Zukunft auf Spenden (siehe weiteren Bericht).
Obwohl es noch etwas dauern wird, ehe die Pläne für die Innengestaltung des Gotteshauses vorliegen, sind sich Michael Bannwarth und Dekan Hayo Büsing bereits jetzt sicher: "Die Stiftskirche wird wunderschön." Su/Foto:Wehnert

 

© Fränkische Nachrichten - 06.07.2006
"Es ist schön, diese Unterstützung zu spüren"

Schon über 60 000 Euro wurden für die Stiftskirche gespendet / Aufnahme in Bonifizierungsprogramm der Stiftung KIBA

Wertheim. Viel Geld muss die evangelische Kirchengemeinde Wertheim für die Sanierung und Renovierung der Stiftskirche aufbringen (siehe weiteren Bericht). Dass sie dabei nicht nur von Gemeindemitgliedern, sondern auch von vielen Wertheimern und Bürgern aus der Region tatkräftig unterstützt wird, hob Dekan Hayo Büsing am Mittwochvormittag bei einem Pressegespräch im Pfarrhaus hervor.
38 000 Euro haben Spenderinnen und Spender bislang auf das Konto der evangelischen Gemeinde eingezahlt. Doch nicht nur diese stolze Summe wertete Büsing als Zeichen für ein "tolles bürgerschaftliches Engagement". Inzwischen habe auch der Förderverein Stiftskirche schon über 130 Mitglieder. Begehrt seien außerdem die Glasbausteine mit dem Motiv der Kirche. "Es ist schön, diese Unterstützung zu spüren", war der Dekan begeistert. Schließlich sei die Stiftkirche ein "zentraler Kristallisationspunkt in der Stadt, für den es wert ist, sich einzusetzen".
Als eine gute Möglichkeit, die Sanierung und Renovierung der Stiftskirche noch in den nächsten Monaten finanziell zu unterstützen, bezeichnete Büsing die Beteiligung an der Aktion "Aus zwei mach drei" der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KIBA). Diese wurde 1998 von der Evangelischen Kirche Deutschland mit ihren Landeskirchen zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler gegründet.
Wie es in der Stiftungszeitung "KIBA Aktuell" heißt, haben sich in diesem Jahr 61 Gemeinden mit Projekten um die Aufnahme in das Bonifizierungsprogramm beworben. 20 von ihnen erhielten den Zuschlag, darunter auch Wertheim.
Für die Stiftskirche gibt es nun bei der Stiftung ein Sonderkonto. Das Geld, das darauf bis Ende September eingezahlt ist, wird dann von der Stiftung im Verhältnis zwei zu eins aufgestockt. Nach Meinung des Dekans "ein toller Zinssatz".
Bis zum 30. Juni sind für die Stiftskirche 171 Einzelspenden mit einer Gesamtsumme von 23 229 Euro eingegangen, verkündete Büsing. Dabei habe es sich um Beträge zwischen zehn und 3000 Euro gehandelt. Unter den 20 geförderten Projekten belege Wertheim damit den zweiten Platz hinter Ronsdorf bei Wuppertal (36 898 Euro). Schön fände es Hayo Büsing, wenn man auf dem Spendenkonto für die Stiftskirche in den noch verbleibenden Wochen die maximale Förderhöhe von 40 000 Euro erreichen könnte.
Zu Gunsten des Gotteshauses gibt es noch weitere Projekte. So wies Büsing auf den Vortrag von Christian Ulshöfer über die Stiftskirche als Lebensraum für Mauersegler am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Stiftshof hin. Außerdem soll im September ein Benefizkonzert stattfinden. Dr. Peter Rückert werde im März über die Stiftskirche im Mittelalter referieren.
Bereits am 21. und 22. Juli wollen die Frauenkreise einen Flohmarkt auf den Stufen der Kirche veranstalten. An diesen beiden Tagen soll auch wieder das Gotteshaus geöffnet sein, damit sich alle Bürgerinnen und Bürger ein Bild von den Arbeiten machen können. Außerdem sind verschiedene Führungen vorgesehen. Bereits jetzt kann man sich im Grafschaftsmuseum in der kleinen Kabinettausstellung über die "Stiftskirche in historischen Ansichten" informieren.
Voll des Lobes war Büsing über die gute Zusammenarbeit mit der katholischen Gemeinde St. Venantius, deren Gastfreundschaft man in der Stadtkirche auch weiterhin genießen dürfe. Besonders gefreut habe ihn, als die Kollekte des ökumenischen Gottesdienstes am Himmelfahrtstag für die Sanierung der Stiftskirche zur Verfügung gestellt wurde. Su
Die Stiftung KIBA hat für die Stiftskirche bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel (Bankleitzahl: 520 604 10) unter der Nummer 100 055 550 ein Spendenkonto eingerichtet. Einzahlungen müssen mit dem Kennwort "Wertheim" versehen werden.

 

© Fränkische Nachrichten - 10.04.2006
Edle Tropfen für die Stiftskirche verkauft

Wertheim. Der erst am Donnerstag gegründete Förderverein Stiftskirche startete bereits während des Wertheimer Ostermarktes Verkaufsaktionen zugunsten der Sanierung und Renovierung der Stiftskirche.
So hatten die Vereinsmitglieder am Wochenende vor dem Portal der Stadtkirche einen Flohmarkt aufgebaut, Waffeln und Kaffee angeboten sowie im nicht eingerüsteten Bereich des Kirchenschiffes Bücher verkauft. Eine außergewöhnliche Idee setzten Ludwig Dreikorn  sowie Albrecht und Ulla Krimmer in die Tat um. Sie hatten im Stiftskirchenhof nicht weniger als 80 Weinraritäten im Angebot, die sich bei einer Preisspanne zwischen zehn und 35 Euro auch gut absetzen ließen. Die Jahrgänge dieser besonders guten Tropfen erstreckten sich dabei vom 1950er Herxheimer Honigsack bis zum 2001er Würzburger Pfaffenberg. Als Besonderheiten waren auf der langen Liste der Kostbarkeiten beispielsweise aus Franken ein Randersackerer Pfülben, Riesling Auslese, des Jahrgangs 1997 sowie aus der Pfalz ein 1995er Forster Schnepfenflug, Ruländer Auslese mit Goldmedaille, zu finden. Eine ursprünglich vorgesehen Weinversteigerung ließ sich nicht realisieren, da es am entsprechenden Publikumszustrom fehlte, erklärte Dreikorn. Dennoch konnte auch Dekan Hayo Büsing  bestätigen, dass die Veranstalter mit dem finanziellen Ergebnis ihrer Aktion zufrieden sein konnten. alsi

 

© Fränkische Nachrichten - 08.04.2006
Förderverein ist auf den Weg gebracht


Die Renovierung und Sanierung der Stiftskirche soll finanziell und ideell unterstützt werden

Wertheim. Die Finanzierung der Sanierung und Renovierung der Stiftskirche geht ins Geld. Die kirchliche Arbeit an dem Gotteshaus in der Wertheimer Altstadt ideell und finanziell zu unterstützen, hat sich der Förderverein Stiftskirche zum Ziel gesetzt.

Dieser wurde am Donnerstagabend im Stiftshof gegründet. Dekan Hayo Büsing sagte, er freue sich ungemein über die große Resonanz. 37 Gründungsmitglieder traten an diesem Abend dem Verein bei. Büsing teilte mit, dass bereits mehr als 20 Beitrittserklärungen von Personen, die an der Gründungsversammlung nicht teilnehmen konnten, eingegangen seien.

Der Dekan erläuterte die derzeitigen und anstehenden Arbeiten in der Stiftskirche (wir berichteten ausführlich), und warum ein Förderverein ins Leben gerufen werde. Die Kirchengemeinde allein sei überfordert mit dem großen Projekt. Er freue sich auf Unterstützung aus der gesamten Gemeinde und darüber hinaus. Büsing: "Die Stiftskirche ist ein Symbol-Bauwerk, in dem viele Fäden zusammenlaufen, in der Geschichte aber auch in der Gegenwart." Man wolle das Bauwerk für kommende Generationen erhalten.
Diether Edel berichtete, dass sich seit einem halben Jahr ein kleiner Kreis von fünf Personen darum gekümmert habe, etwas ins Leben zu rufen, was das monumentale Bauwerk erhält. Auch er freute sich, dass so viele ihre Solidarität zeigten. Der Jurist trug Eckpunkte der bereits ausgearbeiteten Satzung vor, die im Vorfeld von mehreren Personen geprüft worden sei.
Die Satzung sei in zweierlei Hinsicht bedeutend, betonte Edel. Erstens solle damit die Gemeinnützigkeit herbeigeführt werden, zweitens sei sie eine Zusammenfassung der Regeln für den Fall, dass etwas nicht funktioniere. Der Name des Vereins sei "Förderverein Stiftskirche". Ein "griffiger Ausdruck", meinte Edel. Außerdem könnten sowohl natürliche als auch juristische Personen Mitglied werden. Das ermögliche beispielsweise Firmen, dem Verein beizutreten. Auch die Stadt Wertheim trage sich mit diesem Gedanken, verriet er.
Der Mindestbeitrag für Mitglieder sei mit zwölf Euro für natürliche und 50 Euro für juristische Personen vorgesehen. Wie Edel betonte, sei letztlich nicht der Beitrag entscheidend, sondern die Bereitschaft der Mitglieder, den Verein selbst zu fördern, also Spenden zu akquirieren oder an Maßnahmen teilzunehmen. Der Vorstand bestehe aus fünf Personen: Vier davon würden in der Mitgliederversammlung gewählt und eine Person kraft Amtes vom Kirchengemeinderat entsandt.
Die Mitgliederversammlung solle mindestens alle zwei Jahre zusammenkommen. Dieser Zeitraum erschien einigen Anwesenden als zu lang, da sich gerade am Anfang in einem Förderverein viel tue. Hayo Büsing sagte dazu, dass man frei sei, sich öfter zu treffen, auch wenn die Mitgliederversammlung nur alle zwei Jahre stattfinden müsse. Außerdem wurde angemerkt, dass bei der Mitgliederversammlung die Regularien im Vordergrund stehen, Informationsveranstaltungen dagegen öfter nötig seien. Schließlich wurde per Abstimmung beschlossen, den Zeitraum bei zwei Jahren zu belassen.
Gefragt wurde auch, ob man den Stiftungszweck nicht auf weitere kirchliche Bauwerke der evangelischen Kirche in der Gemeinde ausweiten solle. Der Dekan antwortete, die Stiftskirche sei ein "Kristallisationspunkt" und "salopp" formuliert "ein Fass ohne Boden" und damit Aufgabe genug für einen Verein.
Auf die Frage, wie die Kosten für die bereits laufende Sanierung der Stiftskirche finanziert werden, meinte Büsing, die Stiftskichengemeinde sei zu 100 Prozent baupflichtig. Das Geld für die Sanierung sei bereits finanziert und zwar zu 40 Prozent aus Eigenmitteln der Gemeinde, zu 40 Prozent über die Landeskirche als Darlehen und zu 20 Prozent als Zuschuss der Landeskirche. Auf die Frage, warum keine Mittel aus der Altstadtsanierung zur Verfügung stünden, erklärte Edel, die Kirche habe ein eigenes Steuerrecht. Daher gebe es nicht gleichzeitig noch staatliche Mittel.
Nach der Abstimmung über die Satzung, die angenommen wurde, trugen sich die Gründungsmitglieder in eine Liste ein. Dann ging es an die Wahl des Vorstandes. Vorgeschlagen waren aus dem Arbeitskreis, der die Gründung vorbereitet hatte, Hans-Otto Dewes als Vorsitzender, Albrecht Krimmer als sein Stellvertreter, Helmut Arnold als Rechnungsführer und Ingrid Röttinger als Schriftführerin. In geheimer Abstimmung wurden alle Kandidaten gewählt. "Wir haben einen prima Vorstand für diesen Förderverein", merkte Edel an.
Unter der Leitung von Hans-Otto Dewes wurden als Kassenprüfer Thomas Mühleck und Horst Grandke gewählt. Kraft Amtes ist der stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Konstantin Lantzsch, Mitglied des Vorstands. Dekan Büsing wird dem Gremium beratend zur Seite stehen.
Dem Förderverein gehörten nicht nur Gemeindemitglieder, sondern auch Menschen anderer Konfession und aus anderen Orten an, sagte Dewes. Jetzt dürfe man sich nach der Gründung des Vereins nicht zurücklehnen, sondern müsse über Projekte reden, um das Ziel zu erreichen. Man wolle drei Gruppen ansprechen: Die Mitglieder dieser und der anderer Pfarrgemeinden, Wertheimer Bürger, Firmen und Vereine sowie Touristen. Deshalb sei bereits einiges angedacht, die Liste der Ideen sei jedoch keinesfalls vollständig.
Unter anderem sagte Dewes, man wolle einen Flyer entwickeln, der professioneller gestaltet sei als der bisherige. Außerdem soll das Informationsblatt an alle Wertheimer Haushalte verteilt sowie in Hotels ausgelegt werden. Die Stiftskirche dreidimensional in einem Glaswürfel gebe es bereits am Samstag auf dem Ostermarkt zu kaufen. Angedacht ist auch ein Souvenir-Stand in der Stiftskirche. Ebenfalls vorgesehen sind Konzerte und Vorträge in dem Gotteshaus. Man habe sich viel vorgenommen, so Dewes. Die Stiftskirche sei nicht nur ein sakraler Bau, sondern auch ein Kleinod der Stadt. Er hoffe, dass das Interesse der Bürger und der Verwaltung am Erhalt der Stiftskirche, wachse.
Angesprochen wurde, dass die Kirche für Touristen kostenlos zu besichtigen ist. Dekan Büsing erklärte, man wolle keine Eintrittskarten verkaufen, aber vielleicht einen kleinen Aufschlag auf den Preis bei Gruppenführungen erheben. Dazu habe es bereits erste Gespräche mit der Fremdenverkehrsgesellschaft gegeben. Der Dekan verwies außerdem darauf, dass unter anderem schöne alte Stühle, die man auf dem Dachboden gefunden habe, zum Kauf angeboten werden sollen. Hans-Otto Dewes sagte, dass sich nun nicht nur der Vorstand, sondern alle Mitglieder für den Zweck des Vereins engagieren sollen. Er bat abschließend um weitere Ideen und Hilfe bei der Ausführung. Zum Schluss sagte Ellen Heibach im Namen der Kirchengemeinde, die Sanierung und Renovierung der Stiftskirche sei ein weitreichendes und spannendes Unternehmen. "Wir brauchen sehr viel Hilfe." Die Gründungsversammlung sei ein "ermutigendes Erlebnis" gewesen. ak

 

© Fränkische Nachrichten - 28.03.2006
Stiftskirche wird "Korsett angezogen"

Verpresste Bohranker werden Anfang April gespannt / Naturschutz bei Arbeiten berücksichtigt

Wertheim. An der Reparatur und Erhaltung der Wertheimer Stiftskirche wird seit Herbst vergangenen Jahres kräftig gearbeitet. Das ist von außen vor allem am Gerüst zu erkennen und an den am Bauzaun angebrachten Schildern, die auf die Sanierung ebenso hinweisen wie auf die Möglichkeit, nun die nur wenige Schritte entfernte Marienkapelle als Ort des Stillen Gebets und der Andacht zu nutzen.
Auch zu hören sind die Aktivitäten der Baufirmen: Jetzt ist es aber nicht mehr das laute Dröhnen der Bohrmaschinen, die sich wochenlang in Längsrichtung durch die dicken Sandsteinmauern fraßen, sondern das eher dezente Summen des großen Heizaggregats neben dem Haupteingang, das im Innenraum für eine Temperierung von mindestens fünf Grad Celsius sorgt, damit die Putzmaterialien abbinden können.
Dass die Außentemperaturen endlich gestiegen sind, darüber freut sich Michael Bannwarth vom Planungsbüro Bannwarth und Ludwig zusammen mit dem Hausherrn der Stiftskirchengemeinde, damit die Arbeiten weiterhin im vorgesehenen Zeitrahmen Zug um Zug abgeschlossen werden können. Mit dem Abbau des Gerüsts ab dem kommenden Donnerstag wird ein weithin sichtbares Zeichen der Sanierungsarbeiten wegfallen, denn die Zimmererarbeiten im Dachstuhl sind - genau rechtzeitig zur Wiederkehr der Fledermauskolonie aus dem Winterschlaf - seit ein paar Tagen abgeschlossen.
Der Naturschutz bestimmte von Anfang an den Zeitplan, der bis jetzt trotz des kalten und langen Winters eingehalten werden konnte. Auch an die ebenso geschützten Mauersegler, die jedes Jahr zur Sommerserenade ihren unüberhörbaren zwitschernden Beitrag leisten, wurde bei der Dachstuhlsanierung gedacht: Die Stellbretter zwischen den Dachsparren wurden extra mit Löchern versehen, damit die gefiederten Musikanten ihre Wohnstatt wieder beziehen können.
Der Dachboden wurde nicht nur vollständig mit neuen Fichtenholzbrettern belegt, auch ein "Fledermauskot-Reinigungsgang" wurde angelegt. Die unangenehme, früher auch nicht ungefährliche Reinigungsarbeit des Kirchendieners wird so deutlich erleichtert, und die Holzteile des Dachstuhls werden besser vor dem aggressiven Kot der etwa 150 dort lebenden nachtaktiven Tiere geschützt.
Alle Holzarbeiten seien in hervorragender handwerklicher Qualität ausgeführt worden, so Architekt Michael Bannwarth. Für den Austausch defekter Teile sei die ursprünglich verwendete Holzart eingesetzt worden, teils Nadelhölzer, aber auch Eiche. Die Mitarbeiter der beteiligten Firmen hätten nicht nur ihre Arbeit erledigt, sondern immer mitgedacht und durch ihre Verbesserungsvorschläge auch Einsparungen ermöglicht, die wiederum mitgeholfen haben, trotz der größeren Schäden immer noch im Kostenrahmen zu bleiben.
Ein solcher Teilbereich, der erheblich höhere Kosten verursacht habe, als geplant war, seien die vielen Risse an den Innenwänden des Mittelschiffs. Diese Risse könne man nicht nur verschließen, sondern man müsse die gesamte Innenwand zusätzlich mit einem dünnen, durchgehenden Oberputz versehen. Durch die Verwendung von Materialien, die in ihrer Konsistenz dem bestehenden Putz angeglichen werden müssen, beuge man einer erneuten Rissbildung vor und erreiche ein ausgeglichenes optisches Gesamtbild.
Dem Ältestenrat der Stiftskirche falle Anfang April die Aufgabe zu, im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt, aus zwei oder drei Vorschlägen die zukünftige Farbe für den Innenraum des Gotteshauses auszusuchen. Die bisherigen Farben der Stiftskirche ließen sich gemäß der Untersuchungsbefunde in Teilbereichen bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Solange das Gerüst im Innenraum der Kirche noch stehe, wolle man alle Arbeiten erledigen, die man nicht vom Boden aus machen könne. Diese seien für einen zweiten Bauabschnitt vorgesehen.
Die zentrale Sanierungsarbeit und eigentliche Hauptmaßnahme des gesamten Projekts sei, so Bannwarth, für Anfang April geplant: Die in die Bohrlöcher eingelegten und bereits verpressten Bohranker würden mit einer Kraft von 40 bis 80 Kilonewton (entspricht vier bis acht Tonnen) gespannt, der Kirche also das "Korsett" buchstäblich "angezogen" und damit das gesamte Gebäude stabilisiert. Alle weiteren Arbeiten der nächsten Wochen und Monate beträfen den Innenraum der Stiftskirche.
Die bis dahin wieder eingezogenen Bewohner des Dachgeschosses werden, außer dem jetzt frischen Holzgeruch und dem neu hinzugekommenen "Fledermauskot-Reinigungsgang" sicherlich nichts von dem aufwändigen Projekt mitbekommen und im Gebälk der Stiftskirche weiterhin gewohnten Schutz und Geborgenheit finden. Rl

 

© Fränkische Nachrichten - 23.03.2006
Ein Förderverein für die Stiftskirche

Gründungsversammlung am Donnerstag, 6. April / Unterstützung durch breite Basis

Von unserem Redaktionsmitglied Anja Kohr
Wertheim. Wie ein Wächter thront der Turm der Stiftskirche über dem Wertheimer Marktplatz und der Altstadt. Doch so massiv das alte Bauwerk nach außen auch scheint, die Zeit ist nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Seit Oktober wird die große Kirche nun saniert (wir berichteten). Anlass sind tiefe Risse, die teilweise unter dicken Putzschichten verdeckt im Mauerwerk verlaufen Diese statisch bedenklichen Schäden sind durch Veränderungen im Baugrund im Verlauf der Jahrhunderte entstanden. Zum anderen ist das Gebälk des historischen Dachstuhles an einigen tragenden Stellen morsch oder überlastet, sodass es dringend ausgebessert und verstärkt werden muss. Das ist eine immense Herausforderung - auch in puncto Finanzierung. "Doch Jammern nützt nichts", weiß Dekan Hayo Büsing. Deshalb soll für die Wertheimer Stadtkirche am Donnerstag, 6. April, um 20 Uhr im Stiftshof ein Förderverein gegründet werden, in dem jedermann seinen Beitrag zum Erhalt des Gotteshauses leisten kann.
Die Sanierung geht ins Geld: Die Kostenschätzung von ursprünglich 360 000 Euro wurde auf 600 000 Euro nach oben korrigiert. Mittel aus dem Altstadtsanierungsprogramm stehen für kirchliche Gebäude nicht zur Verfügung. So kamen Anträge an die Stiftung Denkmalschutz für 2006 zu spät, als klar war, dass über das Sanierungsprogramm kein Geld zu erwarten war. Dankbar ist Büsing für die Unterstützung durch die badische Landeskirche, die mit Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen helfe. Dennoch müsse die Kirchengemeinde 40 Prozent der Gesamtkosten selbst aufbringen.
Nach dem Abschluss der Sanierung, voraussichtlich Ende Mai/Anfang Juni, soll dann möglichst bald im nächsten Jahr der zweite Schritt, die Innenrenovierung, hinzukommen. Sie wird die Gesamtkosten schätzungsweise mehr als verdoppeln. Zu ihrer Finanzierung können dann wieder Anträge an verschiedene Stellen eingereicht werden.
Trotzdem bleibt die Finanzierung "eine sehr, sehr große Aufgabe, die die Kirchengemeinde Wertheim und die Pfarrgemeinde der Stiftskirche alleine nicht lösen kann." So habe man sich mit Blick auf die Bedeutung der Stiftskirche in der Stadt und über die Stadt hinaus sowie ihrer alten Geschichte dazu entschlossen, einen Förderverein zu gründen.
Neben den Gemeindemitgliedern sollen auch Menschen mit einbezogen werden, denen das Gotteshaus wichtig ist: ehemalige Wertheimer, interessierte Touristen, Menschen anderer Konfession aber auch Leute, die sich von der Kirche entfernt haben, sind eingeladen, sich zu engagieren. So soll eine breite Basis für den Erhalt des Gebäudes gebildet werden.
Zur Vorbereitung habe sich "ein kleiner Initiativkreis" Gedanken zu einem Förderverein gemacht, sagt Büsing. Es handle sich nicht um eine kurzfristige Spendenaktion. Denn bei einem historischen Bauwerk wie der Stiftskirche "gibt es immer was zu tun". Der Mitgliedsbeitrag sei mit zwölf Euro im Jahr bewusst relativ niedrig gehalten, damit Interessierte "nicht allein vom Geldbeutel her entscheiden" müssen, ob sie dem Förderverein beitreten. Wer mehr geben möchte, kann über den Beitrag hinaus spenden. Wichtig sei auch die ideelle Unterstützung für die Gemeinde.
Geplant sind Aktionen des Fördervereins. So könnten zum Beispiel Bohrkerne von Arbeiten am Mauerwerk des Gotteshauses zu Briefbeschwerern oder Kerzenständern verarbeitet und verkauft werden. Als Idee nannte der Dekan außerdem, jährlich eine Führung oder ein Konzert speziell für die Fördervereinsmitglieder in der Stiftskirche anzubieten.
Rückhalt bekommt der Verein von prominenter Seite: Oberbürgermeister Stefan Mikulicz und Alt-Oberbürgermeister Stefan Gläser sowie der ehemalige Landrat Georg Denzer und Fürst Alfred Ernst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg haben ihre Unterstützung zugesagt. Der amtierende Landrat Reinhard Frank kommt am 31. März, um sich vor Ort ein genaueres Bild zu machen. Auf die Unterstützung der Kommune angesprochen, sagt der Dekan: "Wir spüren das Wohlwollen der Stadt." Vielleicht gebe es Teilbereiche, die nicht primär kirchliche Dinge sind, sich aber mit dem Gebäude verbinden, bei denen sich die Stadt in der Lage sehe, sich an den Kosten zu beteiligen.
Die Stiftskirche sei nicht nur eine Kirche, sondern ein kirchen- und kulturhistorisches Denkmal, das allen miteinander anvertraut sei, es pfleglich zu behandeln und zu erhalten. Man wolle die bisherige Praxis als "offenes Haus" beibehalten, "das ist ja auch mit enormem weiteren Aufwand verbunden", informiert Büsing. Eine Stadtführung ohne Stiftskirche sei in vielerlei Hinsicht nur die halbe Miete. Anhand der Epitaphien könne man beispielsweise die Stadtgeschichte nacherzählen. Zu überlegen sei, ob in angemessener Weise der Tourismus an der Unterhaltung der Stiftskirche beteiligt werden könne. Dabei denke man nicht daran, Eintrittskarten zu verkaufen. Er könne sich aber einen kleinen Aufschlag auf die Gebühr bei Gruppenführungen vorstellen, erklärt der Dekan. Das sei bisher zum Nulltarif gewesen.
Eine weitere Aktion zugunsten der Stiftskirche ist im April geplant: Menschen mit einem ganz besonderen Bezug zur Wertheimer Stadtkirche sollen angeschrieben werden. Denn von der "Stiftung kirchliches Bauen" der Evangelischen Kirche in Deutschland sei die Wertheimer Gemeinde als eine von 20 deutschlandweit für ein Bonus-Projekt ausgewählt worden. Die Aktion heiße "aus zwei mach drei". Für Spenden, die daraufhin eingehen, gebe die Stiftung 50 Prozent hinzu.
Die nächste Möglichkeit, die Arbeiten an der Stiftskirche aus der Nähe zu betrachten, ist während dem Wertheimer Ostermarkt. Dann wird der untere Bereich für Besucher geöffnet. Einen Flohmarkt und einen Waffelstand vor der Kirche soll es ebenfalls geben, so der Dekan, er hoffe auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung. In Planung ist auch, das Modell des Reicholzheimer Bastlers Helmut Hoffmann (wir berichteten) für den Erhalt des Gebäudes mit einzubeziehen und einen Glaswürfel mit dem Motiv der Stiftskirche als Souvenir zu verkaufen. "Jeder versucht so seinen Teil dazu beizutragen und mit Hand anzulegen auf seine Weise", freut sich der Dekan über das vielfältige Engagement, das dazu beiträgt, dass die Stiftskirche - frisch saniert und renoviert - weiterhin das Bild der Wertheimer Altstadt bereichert.
Spenden für die Stiftskirche können auf folgende Konten eingezahlt werden: Konto 3 011 111, bei der Sparkasse Tauberfranken, Bankleitzahl 673 525 65 oder Konto 808 709, bei der Volksbank Main-Tauber, Bankleitzahl 673 900 00.

 

Das für die nächsten 50 Jahre Notwendige wird nun getan

Gemeinde über Sanierungsarbeiten an Stiftskirche informiert
"Wer informiert ist, dem geht das Herz auf und vielleicht auch der Geldbeutel", fasste in der Gemeindeversammlung Dekan Hayo Büsing den Fachvortrag des Büros für Baukonstruktionen Karlsruhe zur Situation der Stiftskirche Wertheim zusammen. Rund 50 interessierte Besucher erhielten im einem eindrucksvollen Vortrag Hintergrundwissen über die vorgesehenen Maßnahmen zur Sanierung des Gotteshauses.
Dr.-Ingenieur Jürgen Haller und Diplom-Ingenieur Eberhard Alscher vom Büro für Baukonstruktionen Karlsruhe erläuterten anhand von Lichtbildern und Konstruktionszeichnungen das aktuelle Vorgehen an einer "ungewöhnlich großen Kirche". Im Mittelpunkt stehen dabei die Reparaturen des Mauerwerks und des Dachs. Wie von den Experten zu erfahren war, ist der Turm am stärksten eingesunken. Er steht 75 Zentimeter schief, ist aber insgesamt stabil.
Sehr eindrucksvoll ging Eberhard Alscher vor, um das Vorhaben an dem Gebäude darzustellen. "Die Kirche hat einige Schäden", betonte der Experte, insbesondere Setzungen im Turmbereich. Die Hauptverformungen sind allerdings bereits in früherer Zeit erfolgt. Mittlerweile, so der Referent in seinem lebhaften Vortrag, "hat sich die Kirche an den Baugrund gewöhnt". Jetzt gelte es, das Bauwerk gegen künftige Einflüsse zu ertüchtigen.
Dazu werden Versteifungen eingebracht, die Kirche wird mit Spannankern in eine neue Statik gesetzt. Um diese Spannanker in die Obergadenwand einzubringen, werden Bohrungen mit einem Durchmesser von 86 Millimetern in Längsrichtung durch das Mauerwerk getätigt. Darin eingebracht werden Stahlzuganker mit einem Durchmesser von 26 Millimetern. Der verbleibende Raum wird unter anderem aus Korrosionsschutzgründen mit Beton gefüllt. Anhand von Lichtbildern zeigte der Referent die erprobte Vorgehensweise an anderen historischen Bauwerken.
Neben dem Mauerwerk besteht an der Stiftskirche vor allem im Bereich des spätmittelalterlichen Daches Handlungsbedarf. Dabei ist das Dach über dem Chor anders als das über dem Schiff. Die Sparren sind teilweise durch Nässe beschädigt. Aber es kann geholfen werden, was, so die Experten, auch unbedingt ratsam ist: "Die Kirche hat ein sehr schönes Dach. Es handelt sich um einen der schönsten gotischen Bauten in Deutschland." Mit Ehrfurcht vor der alten Konstruktion gelte es jetzt die Standsicherheit des Gebäudes zu erhöhen.
"Risse gehören zu jedem historischen Bauwerk", beruhigten die Fachleute, die spätgotischen Wände seien eigentlich in sehr guter Qualität. "Wir machen jetzt eine sinnvolle Verbesserung," erklärte der Bauingenieur. "Für die nächsten 50 Jahre ist somit das Notwendige getan."
Wie Dekan Hayo Büsing ausführte, sind 360 000 Euro nur für die Mauerwerk- und Dachstuhlsanierung veranschlagt. 40 Prozent davon muss die Gemeinde aufbringen. Da die Kirche nicht nur für Gottesdienste genutzt wird, sondern beispielsweise auch für Konzerte und Stadtführungen, hoffe man auf eine breite Unterstützung der Stadt und der Bevölkerung. Angesichts besonderer Umstände sei man darauf auch dringend angewiesen. Beispielsweise müsse die Maßnahme aus Naturschutzgründen in einer teueren Winterbaustelle ausgeführt werden, weil in den Sommermonaten Fledermäuse in das Kirchendach einziehen. "Wir müssen alle zusammenarbeiten um das erforderliche Geld zu beschaffen," war der Schlusswort an die Gemeindeversammlung. Hw

 

Sanierungsbeginn der Stiftskirche am 24. Oktober 2005

Unmittelbar nach dem Verklingen der „Schöpfung“, des großen Oratoriums von Joseph Haydn, wird wie geplant am Montag, den 24. Oktober, die dringend notwendige Sanierung des Mauerwerkes und des gotischen Gebälks im Dachstuhl mit dem Ausräumen der Stiftskirche und dem Einpacken der Orgel beginnen können.
Herr Diplomingenieur Alscher aus Karlsruhe wird im Rahmen eines Vortrages am (Termin wird noch bekannt gegeben) allen Interessierten die vorgesehenen Maßnahmen zur Behebung der gravierenden Schäden erläutern. Die aufwändigen, sowohl vom Kirchenbauamt als auch von der Denkmalschutzbehörde befürworteten Arbeiten sind bestmöglich vom Architekturbüro Bannwarth & Ludwig aufeinander abgestimmt, damit wir unsere Stiftskirche baldmöglichst wieder werden nutzen können. Wir setzen alles daran, bis dahin auch aus Kostengründen zumindest den 1. Abschnitt der Renovierung fertig gestellt zu haben. Dennoch werden wir uns wohl bis Juni 2006 gedulden müssen.
Ab dem 30. Oktober werden wir daher unsere Gemeindegottesdienste in der Regel im großen Saal des Stiftshofes feiern. Für absehbar größere Gottesdienste wie am Heilig. Abend werden wir dankbar von der ange-botenen Gastfreundschaft unserer katholischen Schwestergemeinde St. Venantius nach Absprache Gebrauch machen. Für kleinere Konzerte und Andachten steht uns darüber hinaus die Marienkapelle zur Verfügung.
Der Ältestenkreis geht davon aus, dass die verschiedenen Aktivitäten unseres Gemeindelebens im Stiftshof weitgehend ungestört weitergehen können und bittet vorsorglich alle Beteiligten um Verständnis für kleinere Einschränkungen. So ist aus Sicherheitsgründen eine weiträumige Absperrung um die Stiftskirche notwendig, die den einen oder anderen Umweg mit sich bringen wird, wovon auch die Anlieger der Stiftskirche und insbesondere der Schulgasse betroffen sein werden.
Die notwendigen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen an der Stiftskirche sind aber gerade auch in finanzieller Hinsicht eine sehr große Herausforderung für die Gesamtkirchengemeinde Wertheim als der baupflichtigen Eigentümerin der Stiftskirche. Im Herzen der Altstadt gelegen hat die Stiftskirche über viele Generationen für alle Wertheimer eine große Bedeutung und hohe Symbolkraft.
Deshalb konnte der Kirchengemeinderat im Vertrauen auf eine breite Unterstützung und die Spendenbereitschaft aus der Gemeinde und der gesamten Bevölkerung diesem Projekt zustimmen. Gemeinde lebt vom Mitmachen. Lassen Sie sich dafür begeistern, dass die Stiftskirche auch in Zukunft als offenes und einladendes Gotteshaus im Zentrum unserer Stadt erhalten bleibt. Für Ideen und Rückfragen dürfen Sie sich gerne an die Mitglieder des Ältestenkreises wenden oder auch direkt mit dem Pfarramt in Verbindung setzen. Wir brauchen ihr Engagement! Hayo Büsing

 


 

Von der Burgkapelle zur Stiftskirche
Anfänge der Wertheimer Kirchengeschichte
mit spektakulären Überraschungen während der Renovierungsarbeiten 2005-2007

Die Glanzbroschüre 32. Seiten liegt in der Stiftskirche und im Dekanat aus und ist für  3,--
€ zu erwerben.

 

 

 

Stiftskirche Wertheim
Glasbaustein zugunsten der Erhaltung der Stiftskirche
- Exklusives Präsent aus der Glasstadt Wertheim
-

Massiver Glasblock B/H/T: 7 x 6 x 4 cm handpoliert und gelasert mit der
 dreidimensionalen Ansicht der Stiftskirche
 mit Schmucketui  30,- €
  (davon ca. 15,- € als Spende)
 dazu passender Beleuchtungssockel mit LED-Lampen und
 Transformator  10,- € (davon ca. 5,- € als Spende)

 Schlüsselanhänger massiv aus Glas mit LED-Beleuchtung
 gelasert mit der dreidimensionalen Ansicht der Stiftskirche
 10,-€   (davon ca. 5,- € als Spende)
 Verkauf im Dekanat und Glasmuseum Wertheim
  (Fotos:
Rainer Raffel)